So Freunde, ich hab ja jetzt schon länger nichts von mir
hören lassen – das tut mir leid. Aber ich hatte viel um die Ohren – davon gleich
mehr.
Erstmal möchte
ich den Eindruck, der einigen vllt entstanden ist, nämlich dass ich hier ein feines
Partyleben verbringe, aufklären: Nein, ich bin nicht nur am Party-machen –
ich kann bis jetzt (nach 4 Monaten!!!) noch an einer Hand abzählen, wie oft ich
ausgegangen bin. Das sind eben die schönen Sachen, die ich hier erlebt habe - daher hab ich
jedes Mal davon auf meinem Blog berichtet.
Die aufmerksamen
Leser unter euch sollten bemerkt haben, dass ich schon länger nichts zu
meinem Projekt und auch nichts zu meiner Gastfamilie geschrieben habe – das
liegt daran, dass es mir in beiden nicht so gut ging.
Mit meiner
Gastfamilie, in der es mir anfangs gar nicht so schlecht zu gehen schien
(Ausflug ins Centro & nach Aregua), bin ich insgesamt einfach nicht warm geworden.
Dazu kam noch der ein oder andere Grund, warum ich mich im Haus und mit dem
Familienleben nicht wohl fühlte (wer mit mir skypt, weiß mehr). Ich habe meinem AFS Betreuer Arturo von meinen
Problemen mehrmals berichtet, so dass für mich eine neue Familie gesucht wurde.
Jetzt habe ich am vergangenen Mittwoch, dem 4. Dezember, die Familie gewechselt
- und konnte mich „im Guten“ von der Alten verabschieden. Meine Gast-Mutter möchte ohnehin
ihren kranken Vater für 3-4 Monate besuchen, ich hätte über so einen
langen Zeitraum nicht alleine zuhause bleiben dürfen - so ging der Wechsel (für sie)
von ihr aus (Arturo und ich haben ihr mal schön verschwiegen, dass eigentlich ich
wechseln wollte).
Seit Mittwoch bin ich also in der neuen Familie – und was
soll ich sagen?! Mir geht es hier sehr gut! Ich fühl mich endlich angekommen!
Die wenigen Tage bisher waren super schön! Ich kann mit meinen neuen Gast-Eltern
„richtig reden“, es wird nicht nur den ganzen Tag ferngeschaut – und am Wochenende
wird dann zusammen mit meiner neunjährigen Schwester Alison gemeinsam was unternommen.
So habe ich auch gestern einen schönen Geburtstag mit meiner neuen Familie
verbracht.
Es gab
Schwarzwälderkirsch-Torte (die extra bei einem deutschen Konditor gekauft wurde) und ich hatte einen Apfelkuchen gebacken. Da mich Britta noch besucht hat und ich auch mit meinen Eltern in
Deutschland und meinem Freund skypen konnte, war es rund um ein toller Tag für mich!
Auch erwähnen will ich, dass Timo mir per TeamView mein Smartphone neu
aufgesetzt hat – großen Dank nochmal dafür! Jetzt funktioniert´s endlich wieder
flüssig!
In meinem Projekt
hingegen läuft´s immer noch nicht wirklich gut, was vor allem daran liegt, dass
die Profe (meine einzige "Vorgesetzte") mich nicht „für voll“ nimmt – sie gibt mir wenn, dann nur Hilfsaufgaben. Ich sitz viel rum und kann wenig helfen – und wenn sie mich nicht respektiert & sich nicht bemüht, mich zu integrieren, wie sollen die Kinder mich dann respektieren?
Außerdem finde ich ihre „Methoden“ (wenn man das überhaupt so nennen kann) echt
grenzwertig. So gab es zum Beispiel eine Liste an der Tafel mit der Überschrift
„Chao Campamiento“ (im Januar soll nämlich ein Camp über ein Wochenende
veranstaltet werden). In diese Liste wurden – ihr ahnt es schon – die Kinder
eingetragen, die sich schlecht aufgeführt/benommen haben; sie dürfen nicht mitfahren. "Schwarze Pädagogik" fasst ihr Erziehungssystem schon ganz gut in Worte. Ich habe natürlich angeregt, dass eine
Liste der Kinder, die sich gut benehmen und dafür vllt Sternchen J kriegen, geführt werden könnte und man, wenn man 10 Sterne erreicht
hat, ganz sicher mitkommt - als positive Motivation! Aber die Idee wurde abgelehnt. Insges. fühle ich mich da also meist sehr „fehl
am Platz“. Auch meine Idee zum Zähneputzen nach der Zuckermahlzeit wurde als nicht umsetzbar abgelehnt. Mal sehen, was ich da noch dran ändern kann?!
Heute habe ich mit den
Kindern Armbänder gemacht – denn ich wollte ihnen keine Süßigkeiten (anlässlich
meines Geburtstages) mitbringen, weil die meisten nicht regelmäßig Zähne putzen.
Die bunten Holzperlen sind bei den Kindern sehr gut angekommen. Jedoch wollten
einige auch heimlich Perlen klauen und mit nach Hause nehmen, denn dass die Schnur halt irgendwann alle war, schien ihnen inakzeptabel. Das fühlt sich doof an... Aber "meinen" Straßenkindern kann ich das nicht übel nehmen - sie haben ja wirklich nichts. Auch, dass sie mich nach 4 Monaten (immer noch) nicht wirklich mögen & wertschätzen (was halt auch daran liegt, wie die Profe mich behandelt) und mich zum Beispiel nicht begrüßen, wenn ich morgens komme, muss ich wohl akzeptieren. Die sind halt so.
Einfach ist also anders, aber wenigstens komme ich jetzt gerne nach Hause! Der Familienwechsel hat mein Leben hier schon ordentlich verändert! Soweit erstmal, liebste Grüße aus der Hitze ins kalte & stürmische Deutschland, eure Annie


Ich freue mich, dass ich dir helfen konnte. Und dass wir uns gesehen haben. Ich hoffe, du hattest noch einen schönen Geburtstag! LG und bis bald!
AntwortenLöschenSchön das zu lesen.Sozusagen eine Teilaufgabe gelöst...
AntwortenLöschenUnd damit eine solide Basis geschaffen,das nächste Problem anzugehen:Die faule,ignorante und selbstherrliche Profe in der Fundacion.Du tätest damit nicht nur dir,sondern vor allem auch deinen Kidddies einen riesigen Gefallen.
Und so könnte deine Freiwilligenarbeit dazu dienen,die dort im Bildungs- und Betreuungssystem herrschende Attitüde zu verändern...
Entwicklungsarbeit...
Die Macht sei mit Dir...