Tja, inzwischen bin ich also schon gute 2,5 Monate hier! Und ja,
ich hab schon länger nichts mehr von mir hören lassen – das mit dem Nachtrag
war ja ein wenig geschummelt. Im Großen und Ganzen ist aber nicht wirklich viel
passiert in der letzten Zeit – leider.
In meinem Projekt
gefällt es mir nicht wirklich gut, da die Profe nur wenig mit mir
redet und mir vor allem Aufgaben wie „Bring die Becher in die Küche“ überträgt.
Außerdem akzeptieren die Kinder mich, das muss ich sagen, nicht richtig, sondern äffen mich nach – nur wenige
lassen sich von mir bei ihren Aufgaben helfen. Auf meinem zwanzig minütigen Fußweg
dorthin stelle ich mir jetzt fast täglich die Frage „Warum mache ich das hier
eigentlich?“, „Gefällt mir das?“, „Mache ich das wirklich freiwillig?“, „Hilft das hier wirklich irgendjemandem? –Mir? –Den Kindern?“
Ich fühle mich dort einfach häufig überflüssig. Inzwischen verstehe ich schon mehr als am Anfang, aber wenn ich
andere Freiwillige von ihren Projekten reden höre, dann denke ich mir, dass ich
lieber wie die länger (8-17h) arbeiten
würde und dafür aber mehr Erfüllung in meiner Tätigkeit finden würde.
Und da ich im Vergleich zu den anderen deutschen
Freiwilligen nur so kurz (8-12h) arbeite, kann ich mich eigentlich nur am
Wochenende mit denen treffen. Denn um 19h wird’s ja dunkel = gefährlich; und da
ich in Villa Elisa, einem Vorort von Asuncion, wohne, brauche ich eigentlich
immer ne Stunde mit´m Bus nach Hause, so dass sich Treffen unter der Woche
einfach nicht lohnt. So habe ich dementsprechend jeden Tag viel Zeit alleine
rumzubringen. Auch wenn ich jetzt jeden Tag ins Fitnessstudio gehe (und wer
mich kennt, weiß, dass ich das nicht machen würde, wenn ich nicht wirklich
Langeweile hätte), habe ich immer noch viel Zeit. Deswegen fahr ich manchmal
sogar schon zum Zeitvertreib ins Shopping oder auf den Mercado – leider immer alleine.
Denn eine Sache habe ich hier wirklich unterschätzt: Freunde zu finden, ist schwierig. Man
kommt einfach nicht in‘ Kontakt mit Gleichaltrigen – nicht im Projekt und auch
nicht über meine Familie.
Ich freue mich also die ganze Woche über immer schon auf´s
Wochenende, um mich dann mit Deutschen zu treffen und endlich mal was gemeinsam
zu unternehmen! Vorletztes Wochenende habe ich bei Jessica übernachtet und am letzten
Wochenende bei Britta. Das war schön! Aber Ausgegangen bin ich in den 10 Wochen hier noch
nicht ein Mal – denn dafür braucht man "männliche Begleitung". Ohne die ist´s zu gefährlich – und das nervt echt! Wie
sehr ich meine Freiheit vermisse, die ich in Deutschland hatte! Einfach wann
ich wollte, in der Nacht alleine Rausgehen zu können... wenn´s auch nur ein um-den-Block-Gehen ist... Freunde treffen... Sich auf Busfahrpläne und Verabredungen verlassen können... Fahrrad zu fahren... Käse! Kaffee! So Vieles, was ich vermisse! Ich
hatte ja gedacht, dass es hier so schön werden würde, ich so viele neue
Eindrücke hätte, so viele neue Dinge kennen lernen würde, dass ich gar keine
Zeit hätte, das alles zu vermissen. Aber leider ist dem nicht so.
Dennoch will ich den Kopf nicht in‘ Sand stecken
oder Trübsal blasen. Ich find´s nur einfach echt schade, dass es so ist wie es
ist. Ich habe mich auch schon mit meinem AFS-Betreuer getroffen und mit dem 1,5
Stunden (auf Spanisch!!!) über meine Problemchen geredet. Er hat mir Mut
machen können, dass alles besser werden wird, und dass er mich mal in meinem
Projekt besuchen kommen würde, mit der Profe reden würde, mir
vllt sogar ein Projekt für meine freien Nachmittage suchen würde und dass er
mich auch mal mit in seinen Kindergarten nehmen würde, damit ich dort englisch
unterrichten könnte. Aber mal sehen, wann und vor allem ob das passiert…
Wer mich kennt, weiß aber, dass es das Letzte für mich
wäre, aufzugeben! Ich werde mir einfach weiterhin Mühe geben! Es
wird schon (hoffentlich) irgendwann besser werden! Ich bleib tapfer! Morgen
(Freitag) treff ich mich wieder mit Jessica und werde bei ihr übernachten. Wir
wollen zusammen deutsches Brot backen und am Samstag auf den Mercado gehen – darauf freue
ich mich schon! Und es sind auch keine 3 Wochen mehr bis zum Red Hot Chili
Peppers Konzert (5. November); ich werde da mit anderen Deutschen zusammen hingehen – so setzt man sich kleine Ziele. Macht euch also keine Sorgen! Was mich nicht umbringt, härtet mich ab - hart sein, stark sein, Thies sein und so - ihr wisst schon was ich meine ;-)
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