Freitag, 18. Oktober 2013

Statusbericht

Tja, inzwischen bin ich also schon gute 2,5 Monate hier! Und ja, ich hab schon länger nichts mehr von mir hören lassen – das mit dem Nachtrag war ja ein wenig geschummelt. Im Großen und Ganzen ist aber nicht wirklich viel passiert in der letzten Zeit – leider.

In meinem Projekt gefällt es mir nicht wirklich gut, da die Profe nur wenig mit mir redet und mir vor allem Aufgaben wie „Bring die Becher in die Küche“ überträgt. Außerdem akzeptieren die Kinder mich, das muss ich sagen, nicht richtig, sondern äffen mich nach – nur wenige lassen sich von mir bei ihren Aufgaben helfen. Auf meinem zwanzig minütigen Fußweg dorthin stelle ich mir jetzt fast täglich die Frage „Warum mache ich das hier eigentlich?“, „Gefällt mir das?“, „Mache ich das wirklich freiwillig?“, „Hilft das hier wirklich irgendjemandem? –Mir? –Den Kindern?“ Ich fühle mich dort einfach häufig überflüssig. Inzwischen verstehe ich schon mehr als am Anfang, aber wenn ich andere Freiwillige von ihren Projekten reden höre, dann denke ich mir, dass ich lieber wie die länger (8-17h) arbeiten würde und dafür aber mehr Erfüllung in meiner Tätigkeit finden würde.

Und da ich im Vergleich zu den anderen deutschen Freiwilligen nur so kurz (8-12h) arbeite, kann ich mich eigentlich nur am Wochenende mit denen treffen. Denn um 19h wird’s ja dunkel = gefährlich; und da ich in Villa Elisa, einem Vorort von Asuncion, wohne, brauche ich eigentlich immer ne Stunde mit´m Bus nach Hause, so dass sich Treffen unter der Woche einfach nicht lohnt. So habe ich dementsprechend jeden Tag viel Zeit alleine rumzubringen. Auch wenn ich jetzt jeden Tag ins Fitnessstudio gehe (und wer mich kennt, weiß, dass ich das nicht machen würde, wenn ich nicht wirklich Langeweile hätte), habe ich immer noch viel Zeit. Deswegen fahr ich manchmal sogar schon zum Zeitvertreib ins Shopping oder auf den Mercado – leider immer alleine. Denn eine Sache habe ich hier wirklich unterschätzt: Freunde zu finden, ist schwierig. Man kommt einfach nicht in‘ Kontakt mit Gleichaltrigen – nicht im Projekt und auch nicht über meine Familie.

Ich freue mich also die ganze Woche über immer schon auf´s Wochenende, um mich dann mit Deutschen zu treffen und endlich mal was gemeinsam zu unternehmen! Vorletztes Wochenende habe ich bei Jessica übernachtet und am letzten Wochenende bei Britta. Das war schön! Aber Ausgegangen bin ich in den 10 Wochen hier noch nicht ein Mal – denn dafür braucht man "männliche Begleitung". Ohne die ist´s zu gefährlich – und das nervt echt! Wie sehr ich meine Freiheit vermisse, die ich in Deutschland hatte! Einfach wann ich wollte, in der Nacht alleine Rausgehen zu können... wenn´s auch nur ein um-den-Block-Gehen ist... Freunde treffen... Sich auf Busfahrpläne und Verabredungen verlassen können... Fahrrad zu fahren... Käse! Kaffee! So Vieles, was ich vermisse! Ich hatte ja gedacht, dass es hier so schön werden würde, ich so viele neue Eindrücke hätte, so viele neue Dinge kennen lernen würde, dass ich gar keine Zeit hätte, das alles zu vermissen. Aber leider ist dem nicht so.

Dennoch will ich den Kopf nicht in‘ Sand stecken oder Trübsal blasen. Ich find´s nur einfach echt schade, dass es so ist wie es ist. Ich habe mich auch schon mit meinem AFS-Betreuer getroffen und mit dem 1,5 Stunden (auf Spanisch!!!) über meine Problemchen geredet. Er hat mir Mut machen können, dass alles besser werden wird, und dass er mich mal in meinem Projekt besuchen kommen würde, mit der Profe reden  würde, mir vllt sogar ein Projekt für meine freien Nachmittage suchen würde und dass er mich auch mal mit in seinen Kindergarten nehmen würde, damit ich dort englisch unterrichten könnte. Aber mal sehen, wann und vor allem ob das passiert…

Wer mich kennt, weiß aber, dass es das Letzte für mich wäre, aufzugeben! Ich werde mir einfach weiterhin Mühe geben! Es wird schon (hoffentlich) irgendwann besser werden! Ich bleib tapfer! Morgen (Freitag) treff ich mich wieder mit Jessica und werde bei ihr übernachten. Wir wollen zusammen deutsches Brot backen und am Samstag auf den Mercado gehen – darauf freue ich mich schon! Und es sind auch keine 3 Wochen mehr bis zum Red Hot Chili Peppers Konzert (5. November); ich werde da mit anderen Deutschen zusammen hingehen – so setzt man sich kleine Ziele. Macht euch also keine Sorgen! Was mich nicht umbringt, härtet mich ab - hart sein, stark sein, Thies sein und so - ihr wisst schon was ich meine ;-) 

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