Operation Christmas Child (Samaritan's Purse)
Am 20. Mai kam ein Pastor zu uns ins Projekt
und erzählte den Kindern etwas über bzw. aus die Bibel. An sich nichts Neues für
mich, denn jeden Freitag kommt Skidder, ein amerikanischer Missionar, der den
Kindern Geschichten aus der Bibel vorliest oder ihnen Englisch beibringt.
Diesmal erzählte uns Roberto Carlos, so hieß der (mir) Unbekannte, von der Vergebung von Sünden. Wie er dann die Brücke dahin schlug, dass Großzügigkeit etwas Gutes
ist, weiß ich nicht mehr genau; jedoch verteilte er anschließend an jedes Kind einen Schuhkarton
voller Geschenke. Diese Kartons wurden in Kanada gepackt, einige enthielten
sogar Briefe (auf Englisch) und Fotos von der Person, die den Karton gepackt
hatte.
Sie enthielten allerlei nützliche Dinge:
Bleistifte, Blocks, Scheren, Buntstifte, Federtaschen, Kartenspiele,
Plüschtiere, Zahnbürsten, Seife, Socken, Haargummis, Süßigkeiten und kleine
Spielzeuge. (Ich würde den Wert jeder einzelnen Kiste zwischen 10-15€ schätzen)
Auch hatte der Pastor noch kleine Bibel-Comics
und TOMS-Schuhe für die kleineren Kinder dabei (die größeren Größen waren wohl
schon vergriffen). TOMS ist eine Marke, die weltweit (ich bezeichne sie mal
als Slipper, also leichte Schuhe) für (wie ich finde, teure) 20€ verkauft werden. Die
Marke hat sich aber zum Grundsatz gemacht, dass sie für jedes verkaufte Paar
ein Paar an mittellose Kinder spenden. Insofern ist der Preis dann ja (fast) wieder
gerechtfertigt und man hat sogar das Gefühl, etwas Gutes zu tun, wenn man sich
selbst neue Schuhe kauft. Am 20. Mai konnte ich dann mal die andere Seite
erleben, und live dabei sein, wie den Kindern diese Schuhe geschenkt wurden.
Klar haben sich die Kinder über die Geschenke
gefreut, aber nicht so, wie wir Europäer oder wahrscheinlich auch die Kanadier
sich das vorstellen. Leider muss ich sagen, dass die Kinder diese Geschenke
nicht wirklich wertgeschätzt haben, was ja zu wünschen wäre. Die
Freude über die Dinge war schnell verflogen, dann wurde verglichen, wer die
tolleren Geschenke hat, Tauschgeschäfte wurden gemacht, außerdem wurden
Verpackungen aufgerissen und achtlos auf den Boden geschmissen (ich durfte sie dann
später aufsammeln). Obwohl die Kinder eine Freiwillige (nämlich mich) im Hort haben, die die
englische Sprache beherrscht, wollte eigentlich niemand seinen Brief übersetzt
bekommen - und einige der Briefe landeten gleich im Müll! Das eine Foto, das
mitgeschickt wurde, wurde mit der Frage „Zeig mal, hat die Geld?“ quer über den Tisch
rufend angefordert. Schade! Ich hab dann mal ein einzelnes Kind
angesprochen und mit ihm über die Kisten geredet. „Glaubst du, dass die Person,
die deine Kiste für dich gepackt hat und dir etwas schenken wollte, viel Geld hat?“ Nach kurzem Zögern, denn
diese Frage war offensichtlich unerwartet, antwortete mir Junior „Ich glaube
nicht, aber ein großes Herz.“ – Na, die Antwort versöhnte mich dann doch ein bisschen.
Ich erinnere mich noch, dass ich in der
Mittelstufe auch einmal an einem ähnlichen Projekt teilgenommen habe.
Meine damalige Schule hatte dazu aufgerufen, Schuhkartons für - wenn ich mich
recht erinnere - afrikanische Kinder zu packen. Ich weiß nicht mehr genau, ob
ich damals einen Brief geschrieben habe, aber jetzt, wo ich gesehen habe, wie wenig
die Kinder mit solchen Briefen anfangen können, würde ich vielleicht
nicht mehr unbedingt mitmachen. Man muss grundlegend was ändern in der Welt, keine Allmosen verteilen.
21. Mai – warme Klamotten von Skidder
Letzte Woche hat (der schon oben genannte)
Skidder den Kindern Klamotten geschenkt, und zwar wirklich "justito"
(im richtigen Moment), denn schon am nächsten Tag fiel die Temperatur um
15°C(!!!) auf etwa 10°C! Es gab für jedes Kind eine lange warme Hose, einen
Pulli/Sweatshirt, sowie 1x Unterwäsche und ein Paar Socken. Die Kinder
erhielten die großen Pakete (jeweils wurde ein Foto von der "Überreichung" gemacht) und probierten ihre neuen Klamotten gleich über.
Im Hof wurde dann noch ein Gruppenbild
gemacht, welches Skidder seiner Kirche in Michigan (den Spendern) zuschicken
wird und dann zogen die Kinder die „warmen“ Klamotten (> 90% Polyacryl) wieder
aus und verstauten sie in ihren Rucksäcken.
Auch in diesem Fall ist wenig
Dankbarkeit von der Seite der Kinder zu spüren. Aber vielleicht ist das hier auch einfach
so. Vielleicht schätzen diese Kinder die Geschenke insgeheim im Stillen und zeigen es aus Stolz nicht so.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Jetzt, eine Woche danach, ist es leider immer
noch kalt. Nach einem dreiviertel Jahr Flip-Flops-Ttragen bin ich jetzt wieder
auf meine Chucks umgestiegen, auch zieh ich schon meine Thermo-Leggins unter meine
Jeans - denn im Projekt haben wir keine Heizung und wenn ich mich da
stundenlang (bei heute 8°C) aufhalte, will ich mich schließlich nicht erkälten!
Wenn die Kinder dann trotzdem in Flip-Flops kommen, schaudert's mich echt! Das
ist echt schlimm mit anzusehen! Schwer zu verstehen, denn eigentlich
besitzen sie alle Schuhe und auch Socken. Als ich meine Profe fragte, warum
die Kinder denn in Flip-Flops kommen würden, antwortete sie, dass die Eltern
ihre Kinder "so" (also mit Flip-Flops "bekleidet") ins
Projekt schicken würden; - DAS ist das wirklich Schlimme. Da blieb mir der Mund
echt offen stehen, da weiß man dann wirklich nicht mehr, was man darauf sagen
soll!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen