Dienstag, 27. Mai 2014

Weihnachten im Mai

Operation Christmas Child (Samaritan's Purse)
Am 20. Mai kam ein Pastor zu uns ins Projekt und erzählte den Kindern etwas über bzw. aus die Bibel. An sich nichts Neues für mich, denn jeden Freitag kommt Skidder, ein amerikanischer Missionar, der den Kindern Geschichten aus der Bibel vorliest oder ihnen Englisch beibringt. Diesmal erzählte uns Roberto Carlos, so hieß der (mir) Unbekannte, von der Vergebung von Sünden. Wie er dann die Brücke dahin schlug, dass Großzügigkeit etwas Gutes ist, weiß ich nicht mehr genau; jedoch verteilte er anschließend an jedes Kind einen Schuhkarton voller Geschenke. Diese Kartons wurden in Kanada gepackt, einige enthielten sogar Briefe (auf Englisch) und Fotos von der Person, die den Karton gepackt hatte.


Sie enthielten allerlei nützliche Dinge: Bleistifte, Blocks, Scheren, Buntstifte, Federtaschen, Kartenspiele, Plüschtiere, Zahnbürsten, Seife, Socken, Haargummis, Süßigkeiten und kleine Spielzeuge. (Ich würde den Wert jeder einzelnen Kiste zwischen 10-15€ schätzen)


Auch hatte der Pastor noch kleine Bibel-Comics und TOMS-Schuhe für die kleineren Kinder dabei (die größeren Größen waren wohl schon vergriffen). TOMS ist eine Marke, die weltweit (ich bezeichne sie mal als Slipper, also leichte Schuhe) für (wie ich finde, teure) 20€ verkauft werden. Die Marke hat sich aber zum Grundsatz gemacht, dass sie für jedes verkaufte Paar ein Paar an mittellose Kinder spenden. Insofern ist der Preis dann ja (fast) wieder gerechtfertigt und man hat sogar das Gefühl, etwas Gutes zu tun, wenn man sich selbst neue Schuhe kauft. Am 20. Mai konnte ich dann mal die andere Seite erleben, und live dabei sein, wie den Kindern diese Schuhe geschenkt wurden.


Klar haben sich die Kinder über die Geschenke gefreut, aber nicht so, wie wir Europäer oder wahrscheinlich auch die Kanadier sich das vorstellen. Leider muss ich sagen, dass die Kinder diese Geschenke nicht wirklich wertgeschätzt haben, was ja zu wünschen wäre. Die Freude über die Dinge war schnell verflogen, dann wurde verglichen, wer die tolleren Geschenke hat, Tauschgeschäfte wurden gemacht, außerdem wurden Verpackungen aufgerissen und achtlos auf den Boden geschmissen (ich durfte sie dann später aufsammeln). Obwohl die Kinder eine Freiwillige (nämlich mich) im Hort haben, die die englische Sprache beherrscht, wollte eigentlich niemand seinen Brief übersetzt bekommen - und einige der Briefe landeten gleich im Müll! Das eine Foto, das mitgeschickt wurde, wurde mit der Frage „Zeig mal, hat die Geld?“ quer über den Tisch rufend angefordert. Schade! Ich hab dann mal ein einzelnes Kind angesprochen und mit ihm über die Kisten geredet. „Glaubst du, dass die Person, die deine Kiste für dich gepackt hat und dir etwas schenken wollte, viel Geld hat?“ Nach kurzem Zögern, denn diese Frage war offensichtlich unerwartet, antwortete mir Junior „Ich glaube nicht, aber ein großes Herz.“ – Na, die Antwort versöhnte mich dann doch ein bisschen.

Ich erinnere mich noch, dass ich in der Mittelstufe auch einmal an einem ähnlichen Projekt teilgenommen habe. Meine damalige Schule hatte dazu aufgerufen, Schuhkartons für - wenn ich mich recht erinnere - afrikanische Kinder zu packen. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich damals einen Brief geschrieben habe, aber jetzt, wo ich gesehen habe, wie wenig die Kinder mit solchen Briefen anfangen können, würde ich vielleicht nicht mehr unbedingt mitmachen. Man muss grundlegend was ändern in der Welt, keine Allmosen verteilen.


21. Mai – warme Klamotten von Skidder
Letzte Woche hat (der schon oben genannte) Skidder den Kindern Klamotten geschenkt, und zwar wirklich "justito" (im richtigen Moment), denn schon am nächsten Tag fiel die Temperatur um 15°C(!!!) auf etwa 10°C! Es gab für jedes Kind eine lange warme Hose, einen Pulli/Sweatshirt, sowie 1x Unterwäsche und ein Paar Socken. Die Kinder erhielten die großen Pakete (jeweils wurde ein Foto von der "Überreichung" gemacht) und probierten ihre neuen Klamotten gleich über.


Im Hof wurde dann noch ein Gruppenbild gemacht, welches Skidder seiner Kirche in Michigan (den Spendern) zuschicken wird und dann zogen die Kinder die „warmen“ Klamotten (> 90% Polyacryl) wieder aus und verstauten sie in ihren Rucksäcken.
Auch in diesem Fall ist wenig Dankbarkeit von der Seite der Kinder zu spüren. Aber vielleicht ist das hier auch einfach so. Vielleicht schätzen diese Kinder die Geschenke insgeheim im Stillen und zeigen es aus Stolz nicht so.
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Jetzt, eine Woche danach, ist es leider immer noch kalt. Nach einem dreiviertel Jahr Flip-Flops-Ttragen bin ich jetzt wieder auf meine Chucks umgestiegen, auch zieh ich schon meine Thermo-Leggins unter meine Jeans - denn im Projekt haben wir keine Heizung und wenn ich mich da stundenlang (bei heute 8°C) aufhalte, will ich mich schließlich nicht erkälten! Wenn die Kinder dann trotzdem in Flip-Flops kommen, schaudert's mich echt! Das ist echt schlimm mit anzusehen! Schwer zu verstehen, denn eigentlich besitzen sie alle Schuhe und auch Socken. Als ich meine Profe fragte, warum die Kinder denn in Flip-Flops kommen würden, antwortete sie, dass die Eltern ihre Kinder "so" (also mit Flip-Flops "bekleidet") ins Projekt schicken würden; - DAS ist das wirklich Schlimme. Da blieb mir der Mund echt offen stehen, da weiß man dann wirklich nicht mehr, was man darauf sagen soll!

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