Dienstag, 6. Mai 2014

Fiona & Shrek

Vergangenes Wochenende bin ich mit meiner Gast-Familie zu einer Hochzeit nach CdE (Ciudad del Este) gefahren. CdE ist die zweitgrößte Stadt Paraguays, liegt, wie der Name schon sagt, im Osten des Landes und ist etwa 330 km – also mindestens 5 Autostunden von Asunción entfernt. „Glücklicherweise“ waren zwei meiner vier Geschwister durch Klausuren verhindert, sodass wir nur zu fünft fuhren (sonst hätten wir nämlich noch die zwei Sitze im Kofferraum einbauen müssen und insgesamt alle weniger Platz gehabt).
Am Freitagnachmittag ging das lang erwartete Abenteuer dann endlich los! Nach einer gefühlt ewigen Fahrt kamen wir im Dunkeln bei der Familie der Braut an. Wir bestellten noch Pizza und fielen dann todmüde in unsere Betten.

Am Samstag stand nicht nur die Hochzeit, sondern auch eine große Shopping-Tour an: Denn CdE ist ein wahres Paradies für Schnäppchenjäger! Wikipedia schreibt „Aufgrund ihrer strategischen Lage im Dreiländereck zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay, der Triple Frontera, ist Ciudad del Este ein Einkaufs- und Handelszentrum […] Nur ein Teil dieses Handels ist legal, ein Großteil basiert dagegen auf dem Schmuggel mit den Nachbarländern Argentinien und Brasilien. Auch werden sehr viele gefälschte Markenartikel verkauft.“ Neben Klamotten gibt es verdammt viel Technik zu (wie ich vermute) sehr guten Preisen – und, wie mein Gast-Vater mehrmals betonte, sei CdE die einzige Stadt, in der alle Preise im Internet veröffentlicht werden – man muss halt nur wissen, was man will, dann könnte man gezielt suchen und den besten Preis finden.
Wir kauften also tatsächlich extrem viele Dinge: von Rücksäcken über Taschen, Koffer, Klamotten, und auch Technik, sodass auf der Rückfahrt kein Platz mehr im Kofferraum war! Alle Preise waren nur in US-Dollar ausgeschildert, was die Preise noch niedriger erscheinen ließ (4$ = 20.000 Gs). Aber man konnte auch mit Guaranies (der offiziellen paraguayischen Währung) bezahlen. Eine weitere (wie ich finde, seltsame) Eigenart ist, dass man am "Ort 1" seine Artikel „abgibt“, dann bekommt man eine Quittung, die man am "Ort 2" bezahlt, dort kriegt man dann einen Stempel, um dann am "Ort 3" seine inzwischen verpackte Ware abzuholen. Meiner Meinung nach sind das reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen – zudem super kundenunfreundlich, da das Prozedere ewig dauert. Und ob die einzelnen Artikel dann in der Tüte landen, ist dann auch noch mal so ne Sache... Da kann natürlich einiges schief gehen; und wenn man (wie wir) die Tüten kaum noch zählen kann, dann verliert man schnell den Überblick! Wenn man selber packt, ist das anders. Und man stelle sich einmal vor, man würde sich ein sehr teures Produkt wie z.B. ein Iphone 5, ein Tablet oder ein Notebook kaufen und bezahlt erstmal ~500$, kriegt dafür nur eine kleine Quittung und darf dann mit diesem „teuren“ Zettelchen noch mal durch´s halbe Einkaufszentrum laufen um „Ort 3“, die Warenausgabe, zu finden – ein NoGo, wie ich finde! Aber hier total normal.

Erschöpft von dieser Shopping-Tour kamen wir dann nachmittags „nach Hause“, wo das Aufbrezeln für die Hochzeit schon begonnen hatte – also nichts mit Ausruhen. Während meine Gast-Schwester und -mutter zum Frisör fuhren, machte ich mich auch fertig. Die Gäste sollten sich um 19.30 h in der Kirche einfinden, wo um 20 h die kirchliche Trauung stattfinden sollte. Jedoch kamen meine Schwester und meine Mutter erst um kurz nach 20h vom Frisör zurück – und mein Kleid musste noch gebügelt werden... Erstaunlicherweise war ich jedoch die einzige, die davon gestresst war. Gegen 20 nach 20 h kamen wir dann bei der Kirche an und gingen quasi mit dem Brautpaar gemeinsam in die Kirche hinein. Also alles ganz tranquilo. Und, ach ja: meine Gast-Familie nannten Teresa & David, das Brautpaar, im Geheimen „Fiona & Shrek“ – daher die Überschrift – obwohl ich weder „Fiona“ noch „Shrek“ ähnlich hässlich wie deren Namensgeber fand, aber ja gut. Nach der kirchlichen Trauung fuhren wir zum aufwendig geschmückten Festsaal. Dort wurden natürlich viele Fotos gemacht, es wurde Brautwalzer getanzt, getrunken und gegessen, der Brautstrauß geworfen – das Übliche halt.


(von links nach rechts: mein Gast-Vater Pedro, ich, Shrek, Fiona, meine Gast-Mutter Franci und zuletzt meine Gast-Schwester Fabi (Renato schlief schon im Auto))

Vier Kellner servierten den Gästen Getränke und Essen – zügig geht anders. Das Essen irritierte mich (doch sehr seltsam): Ein Stück Hühnerfleisch, ein Stück Schweinefleisch, etwas Kartoffelsalat (Kartoffel mit Mayo), Reis und dazu zwei weiße, leicht süße Brötchen. Da das Fleisch auch noch mit einer weißen Soße bedeckt war, war der (weiße) Teller eigentlich nur mit weißen Zutaten bedeckt – keine Farbe, kein Gemüse (die 2,5 Kartöffelchen zählen nicht). Ich hatte mir was Eindrucksvolleres vorgestellt. Naja.
An einem Stand konnte man sich Cocktails mischen lassen und gegen 1h ging dann auch das Licht aus und die Leute fingen an zu tanzen. Da wir aber alle vom Shopping-Trip erschöpft waren, tanzten wir nicht bis in die Morgenstunden, sondern fuhren gegen 2h „nach Hause“. Am Sonntag traten wir dann gegen 11 h die Heimfahrt an, und kamen sogar vor Einbruch der Dunkelheit wieder in Villa Elisa an.

Insgesamt hatte ich ein sehr schönes, wenn auch anstrengendes Wochenende mit meiner Familie und ich bin sehr dankbar, dass sie mich mitgenommen haben. Tolle Familie – tolles Erlebnis!
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Auf einmal vergeht die Zeit doch ganz schnell, jetzt sind´s nur noch 57 Tage bis zum Flug! Gerade wo’s anfängt, mir zu gefallen, steht der Abflug schon so nah – komisch ist das! Mal sehen, was ich in den verbleibenden Tagen noch erleben werde – ich werde Euch auf dem Laufenden halten. Besos & bis ganz bald, Annie

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