Samstag, 29. März 2014

Si quieres --- puedes!

Es war wohl mal wieder Zeit für eine öffentlichkeitswirksame Aktion von Fundar und so trafen sich die Kinder der 4 Einrichtungen am 26. März in Villa Elisa. Normalerweise wurden immer zwei Busse gemietet, um in jedem Bus jeweils ca. 40 Kinder zu transportieren. Da wir uns aber diesmal in Villa Elisa getroffen haben – also ca. 20 Kinder nicht transportiert werden mussten – wurde der eine Bus einfach wegsanktioniert, sodass der eine Bus llenisimo (suuuuper voll) war. Meine Profe hatte mir glücklicherweise erlaubt, direkt nach Villa Elisa zu fahren, weil das für mich ja näher dran ist, sodass ich mir die Busfahrt in dem meeega vollen Bus ersparen konnte.

Die „Überraschung“ (die Kinder wussten im Vorhinein nicht, was der Grund des Ausflugs war) war ein Zauberer – el Mago de los Pobres (der Zauberer der Armen). Ein Zauberer, der so die Standard-Tricks zeigt. Er bezog die Kinder schön mit ein in seine Show und, was mir auch gefallen hat, wiederholte immer wieder seinen Zauberspruch: Si quieres --- puedes! (was so viel heißt wie „Wenn du willst --- dann kannst du!“) – eine schöne Botschaft! Die Kinder hatten wieder ihre farbigen Shirts an, die ihnen letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt worden waren: San Antonio in grün, Villa Elisa in orange, Guarambare in rosa und Ypane in lila.



Auf diesem „Event“ lernte ich auch Sophie kennen, eine deutsche Freiwillige, die erst seit einem Monat hier ist und in Guarambare wohnt und arbeitet. Sie war in der Woche, als ich Pri dort besucht hatte, krank gewesen und nun sehr interessiert an meinen bisherigen Erfahrungen. Echt schade, dass AFS den Austausch zwischen den „Älteren“ (ich meine die, die wie ich, schon über ein halbes Jahr hier sind) und den „neuen“ nicht fördert, sondern man sich nur zufällig kennenlernt. Mir hätte das auf jeden Fall in meiner ersten Zeit stark geholfen!

Nach dem Zauber gab´s dann noch Mittagessen – und zwar für ca. 80 Kinder – entsprechend ein riesiges Chaos! Die ersten waren schon fertig mit dem Essen und die letzten hatten ihre Teller noch gar nicht. Natürlich wartete auch der Bus schon und die Kids mussten zurück in ihre Dörfer gefahren werden, um möglichst noch pünktlich zur Schule zu gehen (alle Fundar Kinder sind „turno tarde“, gehen also aus Mangel an Klassenräumen nur nachmittags zur Schule). Ich verabschiedete mich von den Kids und Sophie und stieg in einen Bus in die entgegengesetzte Richtung. Ich war bestimmt als Erste, nach ca. 15 Minuten, zu Hause! Was für ein Chaos! Aber den Kids hat´s gefallen – und mir ja auch J

Donnerstag, 27. März 2014

Estrellita 2 - Fundar Guarambare

Am 20. März (ich weiß, ist schon ne Woche her - aber ich wollte zuerst von Metallica berichten) war ich die Fundar Einrichtung in Guarambare – Estrellita 2 besuchen. In meiner Einrichtung war nämlich über sechs Wochen eine AIESEC-Freiwillige aus Chile, über welche ich auch andere AIESEC-Freiwillige aus Brasilien und auch eine aus Italien kennengelernt habe.

Kurzer Exkurs zur Organisation AIESEC:
AIESEC wurde 1948 in Stockholm gegründet und ist inzwischen die größte internationale Studentenorganisation weltweit. Das Ziel der Organisation ist – ähnlich wie bei AFS – die Völkerverständigung durch Austausch. Jedoch legt AIESEC einen anderen Fokus: Es werden internationale Praktika in den Bereichen Management, IT, Soziales und im Bildungsbereich organisiert und vermittelt; außerdem wird Wissen und Know-How innerhalb der Organisation auf regionalen, nationalen und internationalen Konferenzen ausgetauscht. AISEC versucht gezielt Studenten zur Übernahme von Verantwortung und Führungspositionen zu motivieren, durch begleitende Seminare und Konferenzen sollen diese Führungserfahrungen dann ausgetauscht werden, um verantwortliche, tolerante und kulturell-offene Führungskräfte auszubilden. Diese sollen dann zukünftig Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen – meiner Meinung nach also um einiges nachhaltiger als das Programm von AFS. Vielleicht kann ich mit denen ja auch ein Praktikum im Ausland machen?! Mal sehen, da kümmere ich mich drum, wenn ich wieder da bin.


Pricilla, die Italienerin, hat 6 Wochen in Guarambare bei Fundar gearbeitet, wo ich sie letzten Donnerstag besucht habe. Guarambare ist verdammt weit draußen! Von Villa Elisa ist´s noch mal ne ganze Stunde im Bus und man denkt echt schon: da kommt nichts mehr. Pri musste sogar 2 Stunden täglich hin- und zurückfahren!
In Guarambare dann angekommen, habe ich die Einrichtung aber schnell finden können und habe den Tag dort mit ihr und den Kindern verbracht. Es war ein nieseliger Tag, weswegen nur wenige Kinder gekommen waren. Deswegen wurden auch nicht (wie sonst) Hausaufgaben gemacht, sondern es wurde gebastelt und gemalt J Nachdem die Kinder dann nach dem Mittagessen gegangen waren, hatte ich noch ein sehr gutes Gespräch mit der Profé Norma, die mir nochmal einen anderen Blick auf die Fundacion Fundar vermittelt hat. „Es fehle nicht am Geld, es würde nur falsch bzw. gar nicht eingesetzt werden – und bei ihr in Guarambare würde eh nichts ankommen, weil´s so weit draußen sei“. Das Abflussrohr der Klos sei zum Beispiel kaputt, das hätte sie zwar schon mehrmals gemeldet, weil vor allem im Sommer der Gestank manchmal unaushaltbar sei, aber trotzdem würde nichts daran gemacht werden. Ich bewunderte, wie egal ihr das zu sein schien – als hätte sie das mit Fundar eh schon aufgegeben, trotzdem wirkte sie nicht entmutigt, sondern so, als wolle sie halt das Beste aus dieser wirklich schlimmen Situation machen. Bewundernswert! (Und dass Fundar die Lehrerinnen sowie die Köchinnen nicht gut bezahlt, ist in dem Zusammenhang natürlich auch keine Überraschung).

Dieser Besuch und vor allem das Gespräch mit Norma haben mir echt die Augen ein Stück weiter geöffnet. Bei Fundar läuft echt vieles falsch, das hatte ich zwar schon vermutet, aber jetzt weiß ich es wirklich. Und es scheint alles so fest gefahren – diese Vetternwirtschaft – furchtbar! So blieb mir von dem eigentlich schönen Tag mit Pri und den Kids ein fieser Nachgeschmack... 

Mittwoch, 26. März 2014

Metallica by request

Am 24. März durfte ich Metallica live erleben! Schon geil! Ich fuhr mit meinen beiden Gast-Geschwistern um 18 h los zum  Jockey Club (wo ich auch schon im November die Red Hots gesehen hatte). Diesmal war aber alles noch voller als letztes Mal – gefühlte 1.000.000 Konzertbesucher und dazu nochmal 1.000.000 Verkäufer. Verkauft wurde eigentlich alles: von Getränken: Leche (wörtlich „Milch“, gemeint: Bier J), Gaseosa (Cola, Fanta, Sprite – halt alles mit Gas, also Kohlensäure) und Wasser über Essen: Asadito (kleine gegrillte Fleischspieße), Hamburguesas, Panchos (Hot Dogs) und Caramelo (Süßigkeiten & Kaugummi) bis hin zu (gefälschten) Merchandise Produkten wie T-Shirts und CDs. Die unendlich lange Schlange am Eingang ging glücklicherweise schnell voran, sodass wir bald schon drinnen auf die Vorbands warteten. 


Leider ist die Vorband, auf die ich mich im Vorhinein schon gefreut hatte, ein Orchester aus selbstgebauten, recycelten Instrumenten, nicht aufgetreten; und die andere Vorband fand ich schlecht. Naja, um 21:30 h hatte das gespannte Warten endlich ein Ende und Metallica eröffneten mit „Battery“ und spielten ihre zweistündige Setlist mit anschließenden Zugaben. Schon beeindruckend, eine Band live zu erleben, die 1981 gegründet wurde – also älter ist als ich selbst. Und obwohl ich schon stundenlang Kirks Soli rauf und runter gehört und auch viele Live Konzerte und Interviews gesehen hatte, war es ein einzigartiges Erlebnis, die "alten" Männer mal live in Aktion zu sehen!


Es gab bei diesem Konzert auch Dinge, die mir leider nicht so gefallen haben: Normalerweise touren solche Gruppen ja, um ihr neues Album vorzustellen und zu vermarkten. Metallicas neuestes Album ist jedoch noch nicht fertig und deswegen wurden auf der Lateinamerika-Tour nur (ich übersetze „by request“ mal mit) „Wunschkonzerte“ gespielt. In jeder Stadt konnte im Vorhinein online über die Playlist abgestimmt werden – und die Songs mit den meisten Stimmen wurden dann gespielt. Auch während des Konzertes gab es eine Live-Abstimmung per SMS. Hinzu kamen die etwa 10 unterschiedlichen Preisklassen an Tickets, die von ewig weit weg, bis hin zu auf der Bühne stehen & mit James zusammen Songs ansagen reichten (und ich will nicht wissen, wie teuer letztere Tickets waren). Auch, dass James, der Frontmann, meinte, dass wir das schönste Publikum seien – solche Phrasen finde ich einfach uncool. Für mich wirkte das alles sehr gekauft – durch und durch vermarktet. Früher haben Heavy Metal Bands gespielt, was sie wollten – haben einfach ihr Ding gemacht, und ob´s dem Publikum gefallen hat oder nicht, war für sie erstmal irrelevant. Naja, jetzt sind sie halt alle Familienväter und ich bin ja auch glücklich, sie überhaupt mal live gesehen zu haben – das möchte ich hier gar nicht schmälern! Sie haben ne klasse Show abgeliefert! Nur die rundherum-Inszenierung hat mir halt nicht so gefallen –  reine Geschmackssache.

Und der eine, neue (vorher nicht abgestimmte) Song „Lords of Summer“ (oder so ähnlich), der auf dem neuen Album erscheinen wird, der hat mir auch wirklich sehr gefallen – sehr treibend! Kann man echt gespannt aufs Album sein! Soweit meine Konzertreview, bis die Tage, Eure Annie

Donnerstag, 20. März 2014

La aventura de Salto Cristal

Ich habe mich am Samstag, dem 15. März einem Ausflug von AFS-Freiwilligen und AFS-Austauschschülern nach Salto Cristal angeschlossen. Salto Cristal gehört quasi zu den Sehenswürdigkeiten Paraguays. Es handelt sich dabei um einen Wasserfall, der ziemlich abgeschnitten in der Pampa liegt (158 km von Asunción entfernt) und deswegen eigentlich unerreichbar für mich.

Glücklicherweise hatte sich José Romero (genannt Romero), ein Paraguayo, der wie viele andere Paraguayos diesen Wasserfall noch nicht gesehen hatte, bereit erklärt, den Ausflug zu organisieren – es war also kein von AFS organisierter Ausflug (wär ja auch zu cool, wenn AFS sowas planen und anbieten würde). Romero hatte eine Facebook-Veranstaltung erstellt und alle Austauschprogrammteilnehmer eingeladen; so kam es, dass wir ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus den unterschiedlichsten Ländern (Ammis, Belgier, Italiener, Deutsche und Paraguayos) waren.

Angesagt war Folgendes: Start um 7h beim AFS-Büro, es gäbe 20 Plätze, die Teilnahme würde 90 Mil Guaranies (~15€) kosten (und außer der Fahrt nichts beinhalten); wir würden gegen 19h wieder beim AFS-Büro eintreffen.
Ich entschied mich kurzerhand, an diesem „Event“ teilzunehmen, da ich noch keine weiteren Pläne fürs Wochenende hatte und ich auch diese (wahrscheinlich) einmalige Chance nicht verstreichen lassen wollte.

Geschehen ist Folgendes:
Das Abenteuer ging schon damit los, dass ich eine Stunde mit´m Bus zum AFS-Büro brauche und es morgens um 6h noch dunkel ist. Da "dunkel" mit "gefährlich" gleichzusetzen ist, war ich sehr froh, als mir meine Gast-Eltern anboten, mich doch hin zu fahren - das sei doch kein Problem. So standen wir also gemeinsam am Samstagmorgen um 6h auf (denn mit´m Auto braucht man nur ne halbe Stunde) und fuhren in der Morgendämmerung zum AFS-Büro. Ich und ein anderer Deutscher waren die einzigen Pünktlichen – was hatte ich auch anderes erwartet?
Bis 8h waren dann inzwischen auch alle anderen eingetrudelt und es ging endlich los! Angeblich sollte die Fahrt 2 Stunden dauern, aber selbst Googlemaps sagte voraus, dass die Strecke 3 Stunden dauern würde – nunja, das hätte mir schon im Vorhinein zu denken geben sollen. Nach ca. einer halben Stunde Fahrt fing es an zu regnen – Oh Nein! – da aber das paraguayische Wetter sehr unberechenbar ist, haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben den Wasserfall doch noch unter Sonnenschein zu sehen. Der Regen dauerte aber leider an und machte den „Weg“, den wir eigentlich befahren wollten (wie gesagt Salto Cristal liegt mega in der Pampa), unpassierbar. Also mussten wir einen Umweg von bestimmt 50 km fahren und einen anderen Weg probieren
Natürlich blieb unser Bus dann im roten, vom Regen durchnässten, Schlamm stecken – also hieß es: Aussteigen, den Weg mit vom Wegesrand abgebrochenem Zuckerrohr ebnen und Anschieben!


So kämpften wir bestimmt ne halbe Stunde, um den Bus zu befreien – glücklicherweise mit Erfolg! Sonst wären wir wohl selbst verloren in der Pampa gewesen – denn außer uns war da wirklich NICHTS! Dann kamen wir tatsächlich ohne weitere Schwierigkeiten bei dem „Parkplatz“ an – nach insgesamt sieben (!!!) Stunden Fahrt! Dort sollten wir pro Kopf noch 10 Mil Guaranies (~1,80€) „Eintritt“ zahlen – eigentlich reine Abzocke, aber das war uns dann auch schon egal. Angeblich sollten wir uns nur noch 700 m entfernt befinden (Ihr riecht schon den Braten, dass da auch wieder was im Busch war). Die ersten 500 m konnten wir auf einem Weg, ich möchte fast sagen, einer Straße, zurücklegen - aber das wär eher übertrieben. Dann ging´s auf einem Pfad weiter, der auf einmal steil (und ich mein damit seeehr steil) hinabging! Seht selbst:


Ich Fuchs hatte damit leider nicht gerechnet und musste diese „Schlucht“ barfuß hinunterklettern, da Flip Flops mir nur noch weniger halt gegeben hätten. Da ich ja barfuß-erprobt bin, klappte das auch ganz gut. Unten angekommen, hieß es dann: noch ca. 100 m ein Flüsschen hochwaten (knietiefes Wasser)...
Und schließlich waren wir schon (endlich endlich) da! Ein (geschätzt bestimmt) über 30 m hoher Wasserfall war die Belohnung für den Stress – wunderbar unberührt. Der Anblick war wirklich (trotz leider fehlendem Sonnenschein) beeindruckend schön!! Das erste Mal in Paraguay "richtig" (also nicht in irgendeinem Pool) schwimmen! Alle Anstrengungen, dieses Ziel zu erreichen, waren sofort wie weggeblasen - so beeindruckt waren wir!


Nach unendlich vielen Fotos und vielen vielen Sprüngen der Anderen (ihr seht´s ein wenig im Hintergrund), machten wir uns nach ca. 2 Stunden auf den Rückweg zum Bus. Die „Schlucht“ wieder hoch zu klettern war glücklicherweise um einiges einfacher als runter, trotzdem zitterten meine Knie zeitweise und an einigen Punkten musste ich meinen Körper auch wirklich zwingen, meinem Kopf zu gehorchen, denn ich war echt erschöpft! Gegen 18 h traten wir dann die Rückreise an – klar, dass wir´s also niemals bis 19 h zurück zum AFS-Büro geschafft hätten.


Wir genossen den Sonnenuntergang aus dem Bus heraus und machten uns dann erst anschließend Sorgen, wie wir im Dunkeln (sicher) nach Hause kommen sollten. Ich hatte großes Glück, dass es für meinen Gast-Vater keine Frage war, mich um 22:30h (!!!) wieder abzuholen! Dafür war ich sehr sehr dankbar! Todmüde fiel ich nach diesem ereignisreichen Tag ins Bett. Was für ein Abenteuer! Hat sich aber in jeder Hinsicht gelohnt, auch wenn ich an den beiden darauffolgenden Tagen mit hartem Muskelkater zu kämpfen hatte! J

Mittwoch, 12. März 2014

Typisch Paraguay

Zusammenfassend ein paar Punkte, die mir aufgefallen sind:
- ALLE begrüßen sich IMMER mit Küsschen links, Küsschen rechts. Und das ist echt anstrengend bei größeren Gruppen!
- das Busfahren im Allgemeinen – jedes Mal wieder ein Abenteuer! Eine Busfahrt kostet 40 Cent, die Busse sind steinalt (manche sind kurz davor, auseinander zu fallen), dann wird damit meist meeega geheizt und Busfahrpläne gibt’s natürlich auch nicht…(Pünktlichkeit in jeder Beziehung ein Fremdwort!)
Gitter vor wirklich ALLEN Fenstern. Auch ist jedes Grundstück durch hohe Zäune oder Mauern geschützt. Eine Freundin von mir hatte sogar jedes Mal 3 Schlösser/Türen aufzuschließen, wenn sie nach Hause kam. Da möchte man sich nicht vorstellen, was passieren würde, wenn es brennt…
- (fast) überall Klimaanlagen (um die manchmal über 40°C iwie zu überleben)
Empanadas & Chipas an jeder Ecke (für maximal 50 Cent/Stück) – so günstig wirklich leckeres Essen zu bekommen, das werd ich echt vermissen!
- die Armut; die (minderjährigen) Verkäufer auf den Straßen & in den Bussen, die einem zu jeder Tages-  und Nachtzeit alles Mögliche (von Waschpulver und Zahnpasta über Sonnenblumenöl, Kaugummis, Obst und Cola bis hin zu elektronischen Artikeln wie Fernseher-Antennen und Fernbedienungen) verkaufen wollen. Auch der wirklich krasse Kontrast zwischen den Menschen, die viel verdienen und die dicken Autos vorm Haus stehen haben, und denen, die in selbst zusammen geschusterten Hütten wohnen und deswegen bei Regen echt aufgeschmissen sind. Und die „Reichen“ streiten manchmal sogar ab, dass nachts Kinder arbeiten; sie befassen sich mit diesen Problemen gar nicht, sie "schauen weg" und genießen ihre Freizeit in so genannten „Social Clubs“, zu denen eh nur Besserverdienende Zutritt haben.
- die vielen (meist echt verwahrlosten) Straßenhunde, die glücklicherweise meist friedlich sind und einem aus dem Weg gehen. "Normale" Hunde, die zuhause gehalten werden, "wohnen" nur im Garten - sowas wie Gassi-Gehen (womöglich mit Tüte!) kennt man hier nicht. Klar, dass die Hunde dann nicht genügend "Auslauf" kriegen, frustiriert oder aggressiv werden - in Deutschland würde man das wahrscheinlich schon unter Tierquälerei einordnen. Meine jetzige Familie hat 3 Hunde, die sich vllt auf 40 qm "austoben" dürfen - obwohl sie die Hunde lieben, echt traurig!
- der Fleisch-Konsum. Die paraguyische Bevölkerung isst viel viel Fleisch (fast ein Nationalsport möchte ich als Fast-Vegetarierin behaupten), und es wird so ziemlich jeden Sonntag Asado gemacht (gegrillt). Grillen sieht dann auch nicht so wie in Deutschland aus, mit Würstchen und Steaks, nein, hier kommt die halbe Kuh auf´n Grill – was natürlich manche Urlauber, wie z.B. auch Kasi echt großartig fanden… Auch die Kinder in meinem Hort und meine Geschwister essen nur widerwillig (wenn überhaupt) Gerichte ohne Fleisch: „Da würde ihnen etwas fehlen“, „Das sei doch nicht lecker“, wird als Grund angemerkt. Alles eine Frage der Erziehung, aber wer so aufwächst, der findet den täglichen Fleisch-Konsum eben ganz normal. (Was bedeutet das für den Treibhauseffekt?)
- Straßenverkehr: generell wird nur selten links abgebogen, weil das den Verkehr zu sehr stören würde; anstelle dessen wird dann lieber 3 x rechts abgebogen.
- Verhältnis Mann/Frau: mir, als weißer Europäerin, wird generell und grundsätzlich immer hinterher gepfiffen, egal wo ich langgeh, oder Autos hupen; dazu werde ich dann angestarrt als sei ich außerirdisch (ich führe das darauf zurück, dass Paraguay sehr wenig Tourismus hat und daher der Kontakt mit "Menschen aus anderen Ländern" keine alltägliche Erfahrung ist).
- das Fernsehen wird von viel viel Werbung und sehr vielen, ziemlich sehr nackten Frauen mit "gemachten" Brüsten dominiert. In meiner ersten Familie war das gemeinsame Fern-Schauen ja die einzige gemeinsame Aktivität – inzwischen gehört´s glücklicherweise nicht mehr so zum Familienalltag. In meiner neuen Familie werden lieber ausgeliehene Filme zusammen geguckt!
- die Supermärkte. Sie sind alle meeega riesig, so ähnlich wie Walmart in Hamburg, als es das noch gab. Und es gibt dort wirklich alles zu kaufen (ich werd noch mal einen gesonderten Blogeintrag dazu machen, denn das würde hier den Rahmen sprengen)
- ständige Stromausfälle gehören zum Alltag. Meist kommt der Strom zwar fix wieder, trotzdem, für mich echt eine neue Erfahrung, wenn man auf einmal im Dunkeln sitzt. Ich vermute einfach mal, dass das an den ganzen oberirdischen, sehr abenteuerlich zusammengeknoteten Leitungen liegt, die man so sieht.
- auch sehr typisch (für, ich glaube, alle lateinamerikanischen Länder) ist, dass das Klopapier nicht ins Klo, sondern in den Klomülleimer geworfen wird, damit die Rohre nicht verstopfen (inzwischen hab ich mich ganz gut dran gewöhnt) - eigentlich auch praktisch, denn so muss kein Klärwerk das Papier erst wieder rausfischen.
- Fortbewegung: hier fährt alles, was fahren kann (das kann man echt wörtlich nehmen!). Von Pferde-Karren über Autos, bei denen man sich echt wundert, dass sie sich noch bewegen, bis hin zu Motos (Motorrädern) mit bis zu 4 Leuten drauf. Nicht selten sieht man auch, wie Menschen auf Ladeflächen mitgenommen werden. Helme oder Anschnallgurte gelten hier als überbewertet. Besonders gruselig finde ich es, wenn Gasbehältnisse (diese großen „Flaschen“, die zum Kochen an den Herd angeschlossen werden) mitgenommen oder Babys mit auf den Motos transportiert werden - da fällt die Gewöhnung schwer, da schaudert´s mich auch jetzt noch.
- Lomadas heißen die Bodenwellen, die selbst die schlimmsten Raser zum langsam-Fahren zwingen. Sie sind meist so hoch, dass man selbst mit Schrittgeschwindigkeit mit dem Unterboden seines Autos aufsetzt. Leider sind diese nicht in allen Straßen, sodass trotzdem noch viel gerast wird.
- Lebensart: das in-den-Tag-Hineinleben. Es werden so ziemlich nie Pläne gemacht. Man lebt spontan und geht z.B. mindestens zweimal am Tag einkaufen (morgens weiß man ja noch nicht, was man abends zu Abend essen will). Mir fällt diese Lebensart sehr schwer, ich hab nichts gegen Pläne und zelebriere die Vorfreude auf geplante Events z.B. sehr - damit erntet man hier Unverständnis, aber irgendwie hat die Art hier auch was für sich. Da man die Spontanität den Paraguayer eh nicht austreiben kann, muss man halt einfach mitziehen, es akzeptieren, wobei ich sagen muss, dass meine Gast-Mutter jetzt schon Fortschritte macht und manchmal sogar schon Gedanken an das Essen für Morgen verschwendet! Dann lobe ich sie immer ;-)
- die Naturverschmutzung. In Paraguay gibt es keinen nicht-kontaminierten See, jeder Bach und auch der Rio Paraguay sind vergiftet mit Industrieabflüssen und Müll. Das liegt wahrscheinlich einfach an der fehlenden Aufklärung – die Menschen denken einfach nicht darüber nach. Immer wieder muss ich mit ansehen, wie einfach Müll über das offene Busfenster entsorgt wird – das ist echt schlimm! Kindern versuche ich dann manchmal zu erklären, dass das nicht sinnvoll ist und man das nicht macht, auch in meinem Projekt ermahne ich die Kinder immer wieder, aber ob sie´s auch zuhause dann umsetzen, das bleibt halt so die Frage...
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------Und "Anmerkung": Da das jetzt zum Großteil von mir negativ ausgelegte Punkte waren, möchte ich hier auch nochmal kurz sagen, dass es auch viel Positives gibt. Von der Lebensart könnten wir gestressten Europäer uns sicher was abgucken, die Bedeutung von Familie und Freundschaft sind hier bemerkenswert! Und dass es fast durchweg nur gutes Wetter gibt (das man monatelange Shorts & Flipflops tragen kann), daran könnte ich mich echt gewöhnen. Aber wie ihr jetzt auch wisst, gibt’s in diesem Land einfach super viele Probleme, vor allem die Kluft zwischen Arm und Reich (daraus entsteht Gewalt und Bedrohung, d.h. Eingeschränkt-sein im alltäglichen Leben), und man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Dass die Politiker dazu noch korrupt sind und sich nicht um die Bevölkerung scheren, hilft dabei natürlich wenig, das Land nach vorne zu bringen. Ich bin gespannt, wie sich Paraguay in den nächsten 10 Jahren machen wird, Potential ist da, einige wollen wirklich was verändern, und ich werde – wenn auch nur im Kleinen – versuchen, dazu beizutragen.

Dienstag, 11. März 2014

Von Franzbrötchen und Gewürzgurken

Nachdem ich eine ziemlich kalte (um die 20°C Grad) Woche hinter mir hatte (ihr lacht), in der ich tatsächlich wieder meine Leggins und eine dünne Jacke aus meinem Koffer gekramt hatte, bin ich froh, wieder die „normalen“ 30°C Grad zu haben J !
In meiner Familie & Arbeit bin ich jetzt auch prima angekommen und fühl mich – endlich – insgesamt ziemlich pudelwohl! Mit meiner Familie koche ich ständig und jetzt; vergangenen Sonntag habe ich sogar Franzbrötchen gebacken, was allen sehr gut geschmeckt hat! Hier ein Foto:

 

Und ja, zu den Gewürzgurken: Meine Familie lieeebt – genau wie ich – Gewürzgurken. Und obwohl ein kleines Glas umgerechnet an die 3€ kostet, gibt’s hier häufig welche, auch wenn sie immer sofort weg- genascht werden ;-)

Ja, was kann ich sonst noch Neues erzählen? Ich habe mir gestern endlich die Eintrittskarte für´s Metallica Konzert gekauft. Am 24. März werde ich die Jungs dann live sehen – umgerechnet 40€ für ne Innenraum- Karte ist zwar schon ne gute Stange Geld, aber dafür ist das Konzert auch echt n Highlight! Da freu ich mich jetzt schon riesig drauf!

Was ich auch nicht unerwähnt lassen will, sind die vielen schönen Skype-Gespräche, die ich letztes Wochenende hatte – das war sehr sehr schön! Danke dafür!

Fühlt Euch gedrückt, Eure Annie

Montag, 3. März 2014

Mi media naranja

Wie man im Deutschen „meine bessere Hälfte“ sagt, so sagt man im Spanischen „meine halbe Orange“, und gerade die bzw. der war mich für zwei Wochen in Paraguay besuchen. Wir verbrachten zwei wunderbare, leider viel zu schnell vergehende Wochen, von denen ich hier ein wenig berichten möchte.

Kasi landete am 11. Februar und ich holte ihn mit meinem neuen Gast-Bruder zusammen vom Flughafen ab! Wie aufregend! Die ersten Tage verbrachten wir in Asunción und ich zeigte ihm die Sehenswürdigkeiten, meine Lieblingsorte. Er lernte auch meine Familie kennen, mit der wir (ganz typisch) Asado aßen (viiiiel gegrilltes Fleisch). Hier ein Foto von der Costanera:


Dann machten wir uns auch schon bald auf den Weg nach Encarnación. 7 Stunden im Bus, der an jedem Grashalm gehalten hat, waren wirklich anstrengend – aber wir überlebten es irgendwie. Unser Hostel fanden wir ganz schnell und machten anschließend einen ersten Erkundungsspaziergang. Zufälligerweise war genau an diesem Wochenende auch Karneval in Encarnación, sodass wir uns das Spektakel mal von Näherem anschauten.
Für den Karneval wurde extra eine 600m lange Straße gebaut, die auf beiden Seiten Tribünen hat. Durch diese Straße tanzen dann die halbnackten, mit vielen Federn geschmückten Frauen und auch die besonderen – äh – Fahrzeuge fahren dort durch. Für die Tribünen muss man Einritt zahlen (umgerechnet 20€), weshalb wir uns entschlossen hatten, erstmal von außen zu luschern, ob uns das gefällt - und das reichte uns auch schon! Wir stellten uns auch noch kurz an das Ende dieser „Straße“ und schauten zu, wie die Tänzerinnen die dort ankamen, ihre Federn & Schuhe von sich warfen und von den Helfern Wasser gereicht bekamen – das war witzig J

Ein Highlight war auf jeden Fall auch das Astra, dass mir Kasi aus Lübeck mitgebracht hatte – wie sehr ich das vermisst hatte! Uh Mann! Aber an die 1 Liter Flaschen hier in Paraguay kann man sich auch gewöhnen ;-)


Von Encarnación ging´s dann weiter nach Ciudad del Este – wieder eine 6stündige Busfahrt. Und da das gebuchte Hostel in Puerto lag, mussten wir von CdE noch eine weitere Stunde ´rüber nach Argentinien fahren. Dort im Dreiländereck (Paraguay – Brasilien – Argentinien) liegen nämlich die berühmten Wasserfälle, sowie der riiiiesige Staudamm Itaipu, die wir unbedingt besuchen wollten.

Am ersten Tag fuhren wir zu den Cataratas (den Wasserfällen), besichtigten sie von der argentinischen Seite. Das war uns im Vorhinein mehrmals empfohlen worden (die brasilianische Seite soll nicht ganz so schön sein). Die Wasserfälle waren ein beeindruckendes Naturerlebnis!! Und wir sahen sogar Affen, so komische Nasentiere und Krokodile in freier Wildbahn!

Am nächsten Tag ging´s den Staudamm besuchen. Dafür mussten wir erst mal zurück nach Ciudad del Este (Paraguay) und uns dort dann durchfragen. Zu unserem Erstaunen gab es keinen Bus, der direkt dorthin fährt (zu den Wasserfällen fahren bestimmt 20 unterschiedliche Busunternehmen!). Also mussten wir mit den normalen Öffi-Bussen fahren und - gefühlt - im Nichts aussteigen. Man sagte uns noch, dass wir da über die Straße müssten und dann nach links laufen – aha! So war schon das Hinkommen sehr abenteuerlich! Dort meldeten wir uns in einer riesigen klimatisierten Halle für die Führung an und bekamen auch gleich deutsche (!!!) Broschüren in die Hand gedrückt. Zur Einführung gab es einen ca. viertelstündigen Film (auf Englisch) und anschließend wurden wir mit einem weiteren Gast (also zu dritt) mit eigenem Guide in einem Reisebus (!!!) über´s Gelände kutschiert und uns wurde alles noch mal live erklärt! Der Staudamm mit seinen 18 Turbinen und auch der riesige Stausee waren echt eindrucksvoll!


Da der Staudamm ein „bi-nationales“ Projekt der Länder ist, teilen sich Brasilien und Paraguay auch den Strom. Ich weiß es nicht mehr so ganz genau, aber ich glaube, dass Paraguay allein mit 2 Turbinen 90% des Bedarfs deckt und Brasilien mit den restlichen 16 Turbinen ca. 30% ihres Bedarfs. Uns wurde gesagt, dass quasi jedem Land die Hälfte der Turbinen gehören und dass Paraguay den Strom, den sie nicht brauchen (also von 7 Turbinen) an Brasilien verkauft - aber wer weiß, ob das stimmt (dafür sind die hier alle leider viel zu korrupt - ich könnte mir vorstellen, dass man da Paraguay ordentlich über´s Ohr gehauen hat und sie die Hälfte der Kosten des Baus zahlen mussten und jetzt den "überflüssigen" Strom, wenn überhaupt, für n Appel und n Ei an Brasilien verscheuern müssen...)

Hier ist noch ein Foto davon, wie wir uns einmal „zum Feierabend“ spontan mit Klamotten im Pool abgekühlt haben J


Nach den Abenteuern des Dreiländerecks fuhren wir zurück nach Asunción, wo wir noch einige schöne Tage mit meiner Gast-Familie verbrachten. Unter anderem fuhren wir mit meinen Gast-Brüdern auch zum Fußballspiel des Clubs Olympia – wofür Kasi sogar ein Trikot geschenkt bekam!

Insgesamt sind die zwei Wochen mit meiner halben Orange leider viel zu schnell vergangen, aber wir blicken beide auf sehr viele schöne Erlebnisse zurück! Jetzt ist er schon fast wieder eine Woche zurück in Deutschland und wir freuen uns jetzt schon auf unser Wiedersehen in ca. 4 Monaten!

Diese verbleibende Zeit werde ich jetzt, in meiner neuen tollen Familie, in die ich mich erst jetzt „richtig“ einleben kann, auf jeden Fall genießen! Liebe Grüße in die Heimat,
Eure Annie