Montag, 23. Dezember 2013

Sommeranfang

Ja, gestern war hier Sommeranfang – d.h. ab jetzt wird’s richtig heiß! Schon jetzt sind 38 Grad keine Ausnahme mehr, aber in den nächsten Wochen werden die Temperaturen wohl stetig über die 40 Gradmarke klettern – mal sehen, wie sich das so leben lässt! Zumindest hab ich ja jetzt erstmal bis (wahrscheinlich) Mitte Januar „frei“. Warum ich das Wort *frei* in Anführungszeichen setze? Weil ich „nur“ frei von meinem Projekt hab –  meine neue Familie nimmt mich nämlich dafür umso mehr in' Beschlag! Dazu später mehr.
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Letzte Woche Montag war die Clausura – also die Jahresend- und Weihnachts-Feier von Fundar, wo „meine“ Kinder (also die Kinder aus der Einrichtung, in der ich arbeite) ein Weihnachtslied aufgeführt bzw. gesungen haben. 




Auch gab es Geschenke und „Fresskörbe“ für die einzelnen Familien – meiner Meinung nach hätte man jedoch für´s selbe Geld bessere (Geschenke und Körbe) wählen können – naja. Wir vier Freiwilligen bekamen auch was: Urkunden (auf die wir selbst unsere Namen schreiben durften) - endlich was, was ich mir hintern Schrank hängen kann! Auf der Rückfahrt (im natürlich viel zu vollen Bus) wurde ich dann darauf hingewiesen, dass ich ab Morgen – übrigens – frei hab (Aha!) und dass mich meine Profe benachrichtigen wird, wann es im neuen Jahr wieder losgeht, denn das stehe bisher noch nicht fest (ja ne, ist klar!). Da Mitte Januar jedoch das Campamiento (Camp) mit den Kids stattfindet, geht´s wohl spätestens dann wieder weiter. Ich verabschiedete mich von den Kids deswegen mit „Feliz Navidad – nos vemos“ (Frohe Weihnachten – wir sehen uns). 
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Techo die Zweite – Ja, gestern war ich ganz spontan (da das meine Gast-Mutter für mich organisiert hat) das zweite Mal bei „un Techo para mi pais“ (Ein Haus für mein Land – „Techo“ heißt zwar wörtlich übersetzt: Dach – aber umgangssprachlich auch Haus). So habe ich gestern mit der Familie „Monti“ zusammen konstruiert – diese Familie arbeitet, wie meine Gast-Mutter, bei Chacomer – daher die Verbindung. 










Dass gestern Familien zusammen ein Haus für eine andere Familie bauen durften, war eine große Besonderheit – sonst ist das Programm ja nur für Schüler (über 18), Freiwillige und Studenten. Gerade junge Menschen sollen die Armut sehen und aktiv bekämpfen, um ein Bewusstsein dafür zu bekommen, etwas bewegen zu können. Die Idee mit seiner "eigenen" Familie ein Wochenende lang gemeinsam ein Haus zu bauen, finde ich großartig - tolle Familien-Aktion! Und die Montis haben mich auch sehr herzlich aufgenommen und mich gleich zu einer Hermana (Schwester) gemacht. Lastimamente (leider) konnte ich das Haus heute nicht mit übergeben, da heute noch eine weitere Abschlussveranstaltung von Fundar stattgefunden hat (diesmal ohne Kinder) – trotzdem hat´s gestern ganz viel Spaß gemacht und ich freu mich schon darauf, das nächste Mal mit anzupacken, um einer weiteren Familie ein besseres Leben zu ermöglichen!
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Wie schon oben erwähnt, nimmt mich meine neue Familie ganz schön in Beschlag: Ich bin nicht nur häufig Babysitterin für meine kleine, neunjährige Gast-Schwester Alison, sondern soll auch noch ständig kochen & backen, und Deutsch-Unterricht erteilen. Klar, einerseits mach ich das super gern, andererseits macht´s halt nicht so den Spaß, wenn´s von einem erwartet wird – täglich! Hier möchte ich euch einfach mal einige Fotos davon zeigen:

(Von links nach rechts: Möhrenbratlinge mit Hummus (Kichererbsenmus) und arabischem Brot, in Parmesan panierte und anschließend frittierte Zucchini- und Auberginenscheiben und Weihnachtsplätzchen in Holstentor-Form) Auch sehr beliebt: Ofengemüse und mein selbstgebackenes Brot J

In meiner alten Gastfamilie hat es mich gestört, dass niemand an mir interessiert war, und ich zu viel Freizeit alleine hatte, da es kein Familienleben gab – und jetzt stört es mich, dass die neue Familie „zu viel“ Interesse zeigt und mich „zu sehr“ einbindet, sodass ich viel zu selten Zeit für mich habe bzw. dafür, irgendetwas zu unternehmen. Ja, mir kann man´s wohl offensichtlich nicht Recht machen – deswegen freu ich mich einfach schon umso mehr darauf, in Deutschland dann wieder „frei“ leben zu können und hoffe soweit einfach mal, dass sich das hier in einem gesundem Maß einpendeln wird – so dass Gastfamilie UND ich glücklich werden…


Hier mal ein Foto (ja eigentlich sind´s ja zwei J - eins mit Tageslicht und eins mit der schönen pinken Lichterkette) von unserem wunderschönem Plastik-Weihnachtsbaum (der mich leider so gar nicht in Weihnachtsstimmung) versetzt, aber übermorgen wird gefeiert – ich werde berichten!

Montag, 9. Dezember 2013

Von Problemen und einigen Lösungen

So Freunde, ich hab ja jetzt schon länger nichts von mir hören lassen – das tut mir leid. Aber ich hatte viel um die Ohren – davon gleich mehr.
Erstmal möchte ich den Eindruck, der einigen vllt entstanden ist, nämlich dass ich hier ein feines Partyleben verbringe, aufklären: Nein, ich bin nicht nur am Party-machen – ich kann bis jetzt (nach 4 Monaten!!!) noch an einer Hand abzählen, wie oft ich ausgegangen bin. Das sind eben die schönen Sachen, die ich hier erlebt habe - daher hab ich jedes Mal davon auf meinem Blog berichtet.

Die aufmerksamen Leser unter euch sollten bemerkt haben, dass ich schon länger nichts zu meinem Projekt und auch nichts zu meiner Gastfamilie geschrieben habe – das liegt daran, dass es mir in beiden nicht so gut ging.

Mit meiner Gastfamilie, in der es mir anfangs gar nicht so schlecht zu gehen schien (Ausflug ins Centro & nach Aregua), bin ich insgesamt einfach nicht warm geworden. Dazu kam noch der ein oder andere Grund, warum ich mich im Haus und mit dem Familienleben nicht wohl fühlte (wer mit mir skypt, weiß mehr). Ich habe meinem AFS Betreuer Arturo von meinen Problemen mehrmals berichtet, so dass für mich eine neue Familie gesucht wurde. 
Jetzt habe ich am vergangenen Mittwoch, dem 4. Dezember, die Familie gewechselt - und konnte mich „im Guten“ von der Alten verabschieden. Meine Gast-Mutter möchte ohnehin ihren kranken Vater für 3-4 Monate besuchen, ich hätte über so einen langen Zeitraum nicht alleine zuhause bleiben dürfen - so ging der Wechsel (für sie) von ihr aus (Arturo und ich haben ihr mal schön verschwiegen, dass eigentlich ich wechseln wollte). 
Seit Mittwoch bin ich also in der neuen Familie – und was soll ich sagen?! Mir geht es hier sehr gut! Ich fühl mich endlich angekommen! Die wenigen Tage bisher waren super schön! Ich kann mit meinen neuen Gast-Eltern „richtig reden“, es wird nicht nur den ganzen Tag ferngeschaut – und am Wochenende wird dann zusammen mit meiner neunjährigen Schwester Alison gemeinsam was unternommen. So habe ich auch gestern einen schönen Geburtstag mit meiner neuen Familie verbracht.


Es gab Schwarzwälderkirsch-Torte (die extra bei einem deutschen Konditor gekauft wurde) und ich hatte einen Apfelkuchen gebacken. Da mich Britta noch besucht hat und ich auch mit meinen Eltern in Deutschland und meinem Freund skypen konnte, war es rund um ein toller Tag für mich! Auch erwähnen will ich, dass Timo mir per TeamView mein Smartphone neu aufgesetzt hat – großen Dank nochmal dafür! Jetzt funktioniert´s endlich wieder flüssig!

In meinem Projekt hingegen läuft´s immer noch nicht wirklich gut, was vor allem daran liegt, dass die Profe (meine einzige "Vorgesetzte") mich nicht „für voll“ nimmt – sie gibt mir wenn, dann nur Hilfsaufgaben. Ich sitz viel rum und kann wenig helfen – und wenn sie mich nicht respektiert & sich nicht bemüht, mich zu integrieren, wie sollen die Kinder mich dann respektieren? Außerdem finde ich ihre „Methoden“ (wenn man das überhaupt so nennen kann) echt grenzwertig. So gab es zum Beispiel eine Liste an der Tafel mit der Überschrift „Chao Campamiento“ (im Januar soll nämlich ein Camp über ein Wochenende veranstaltet werden). In diese Liste wurden – ihr ahnt es schon – die Kinder eingetragen, die sich schlecht aufgeführt/benommen haben; sie dürfen nicht mitfahren. "Schwarze Pädagogik" fasst ihr Erziehungssystem  schon ganz gut in Worte. Ich habe natürlich angeregt, dass eine Liste der Kinder, die sich gut benehmen und dafür vllt Sternchen J kriegen, geführt werden könnte und man, wenn man 10 Sterne erreicht hat, ganz sicher mitkommt - als positive Motivation! Aber die Idee wurde abgelehnt. Insges. fühle ich mich da also meist sehr „fehl am Platz“. Auch meine Idee zum Zähneputzen nach der Zuckermahlzeit wurde als nicht umsetzbar abgelehnt. Mal sehen, was ich da noch dran ändern kann?! 
Heute habe ich mit den Kindern Armbänder gemacht – denn ich wollte ihnen keine Süßigkeiten (anlässlich meines Geburtstages) mitbringen, weil die meisten nicht regelmäßig Zähne putzen. 


Die bunten Holzperlen sind bei den Kindern sehr gut angekommen. Jedoch wollten einige auch heimlich Perlen klauen und mit nach Hause nehmen, denn dass die Schnur halt irgendwann alle war, schien ihnen inakzeptabel. Das fühlt sich doof an... Aber "meinen" Straßenkindern kann ich das nicht übel nehmen - sie haben ja wirklich nichts. Auch, dass sie mich nach 4 Monaten (immer noch) nicht wirklich mögen & wertschätzen (was halt auch daran liegt, wie die Profe mich behandelt) und mich zum Beispiel nicht begrüßen, wenn ich morgens komme, muss ich wohl akzeptieren. Die sind halt so.
Einfach ist also anders, aber wenigstens komme ich jetzt gerne nach Hause! Der Familienwechsel hat mein Leben hier schon ordentlich verändert! Soweit erstmal, liebste Grüße aus der Hitze ins kalte & stürmische Deutschland, eure Annie

Mittwoch, 20. November 2013

Nachtrag: Zoo & unverhofft kommt oft

Ja, Mitte September, das ist inzwischen gute zwei Monate her, war ich mit Jessica und Britta zusammen im Zoo. Denn irgendwie konnten wir ja alle damals ziemlich kein Spanisch und hatten mal wieder sonntags nichts vor und so planten wir einen Ausflug in den Zoo - mit Picknick und allem drum & dran. Inzwischen hab ich´s endlich geschafft, meine Fotos von der Kamera zu ziehen und habe auch von Britta ein Foto von Jessica und mir gemailt bekommen. Jetzt kann ich Euch ein paar Fotos zeigen!

Der Eintritt war übrigens erschreckend niedrig: Genau weiß ich´s zwar nicht mehr, aber auf jeden Fall unter 5€. Und wenn man das mal mit den knappen 30€, die Hagenbecks' Tierpark in Hamburg inzwischen kostet, vergleicht, ist das schon echt krass! Jedoch gab´s auch "nur" so um die schätzungsweise 30-40 verschiedene Tierarten und, ehrlich gesagt,  merkte man den niedrigen Eintrittspreis leider auch an den Unterbringungen der Tiere. Naja, konnten wir ja nicht ändern als beschlossen wir, einfach das Beste draus zu machen und unseren gemeinsamen Ausflug zu genießen. Hier noch ein paar Tier-Fotos:












Wir sahen also viele (mehr oder minder) exotische Tiere, so auch Schildkröten, Wasserschweine und Affen. Die Löwen und die Elefanten haben wir nicht finden können - da lobe ich mir doch deutsche Tierparks, in denen alles-alles ausgeschildert ist!
---------------------------------------------------------------------------Nachtrag Ende------------

Am vergangenen Donnerstag habe ich mich mal wieder mit meinem AFS-Betreuer Arturo getroffen; mit ihm über meine Probleme in Projekt & Familie zu reden, tat wieder sehr gut! Er beteuerte auch wieder, sich jetzt mal ein wenig mehr zu "kümmern", mal sehen was dabei rum kommt. Abends habe ich dann mal wieder mit meinen Eltern in Deutschland geskypt, was mir auch neue Kraft gab.

Das Wochenende wurde auch noch ganz schön "bunt", denn am Freitag feierte eine deutsche Freiwillige ihren Geburtstag in einem Club (Uhhh, das erste Mal Tanzen gehen!!!) und da ich eine glücklicherweise eine Übernachtungsmöglichkeit von Patti angeboten bekam, konnte ich sogar teilnehmen! Hier zwei Bilder von Patti und mir kurz bevor wir abgeholt wurden (weil Handykamera, leider miese Qualität)

Und für Kenner: Auf welcher Seite trage ich meinen Scheitel wirklich? :)

Im "Glam" (so hieß der Club) war es auch echt ganz cool - besonders gut hat mir gefallen, dass Frauen freien Eintritt hatten ;-) und es anfangs auch noch Freibier gab. Was jedoch zu erwähnen ist: hier ist es üblich, Tische zu mieten. Ich glaub, dass man "ohne Tisch" nicht mal reingelassen wird. Und so einen Tisch zu reservieren bzw. zu mieten, hat im Glam 200Mil (~35€) gekostet (jedoch mit 150Mil ~26€ Freigetränken). Und da wir ca. 10 Leute (Mix aus Gastschülern und Freiwilligen) waren, "teilten wir den Tisch" einfach fair auf; sodass man mit ~3,50€ dabei war.

Am Samstag war ich sogar auch noch Tanzen - aber das ungeplant. Ich hatte mich mit Britta verabredet, um mit ihr die Fotos ihres Urlaubs anzugucken. Eine Freundin von ihr fragte (schrieb ihr), ob wir nicht noch Lust hätten, weg zu gehen - sie würde uns auch Abholen. Selbst, wenn ich eigentlich nicht darauf vorbereitet war, keine extra Klamotten dafür mitgenommen hatte und auch noch ein wenig kaputt von der vergangenen Nacht war, wollte ich mir diese Chance nicht entgehen lassen! Und so ging´s dann doch noch los "in" einen Beach-Club (eine "Sunset & Nightbar") in Lambare. Das "in" ist in Anführungs-zeichen gesetzt, da dieser Club open air war, also vllt vergleichbar mit dem Strandsalon (Lübeck) oder Strand-Pauli (Hamburg) und direkt am Rio Paraguay gelegen. Im Vergleich zu denen war das " Costa Mansa" etwas größer, mit Tanzfläche und vor allem das Publikum unterschied sich: Durch die Bank nur High-Society (zu erkennen an den High-(Plateau-) Heels und den teuren Getränken). Glücklicherweise kannte Brittas Freundin den Besitzer, weshalb wir keinen Eintritt zahlen mussten (ich will auch gar nicht wissen, was das gekostet hätte!). Die Location selbst war echt hübsch, jedoch auch, aufgrund des Windes - saukalt - und das, obwohl Britta und ich den Klamottenschnitt pro Frau schon erheblich anhoben! Wir froren trotz Leggings - da gab´s nur eine Lösung: warm-tanzen! Und das zu leider echt schlechter Musik!
Irgendwann wurden wir dann auch wieder heimgefahren und ich war echt noch froh, mich aufgerafft zu haben und mal etwas Anderes gesehen zu haben! Ich übernachtete bei Britta und als wir am nächsten Morgen gegen 11h aufgestanden sind, gab´s auch schon Mittagessen mit ihrer Familie! Anschließend fuhren wir noch in eine Shoppingmall, weil uns nichts anderes einfiel, stöberten dort ein wenig durch die Geschäfte, haben aber nichts gefunden. Naja, nicht so wild, man muss sich ja auch immer wieder vor Augen halten, dass wir beim Hinflug schon Schwierigkeiten mit dem begrenzten Gepäck hatten... Insgesamt hatte ich also ein unverhofft gutes Wochenende! Das wird schwer, das zu übertreffen!

In dieser Woche plane ich, noch zwei andere Deutsche nachmittags in ihren Projekten zu besuchen - darauf bin ich schon gespannt! Ich versuch, euch auf dem Laufenden zu halten & bleib auch dann tapfer, wenn´s mal wieder nicht so einfach ist! Versprochen!
Liebste vorweihnachtliche Grüße (ich hab absolut keine Weihnachtsstimmung bei 30°C - haha!) ins weit entfernte, wunderbare (Nord-) Deutschland J

Mittwoch, 13. November 2013

...von den RHCP und zwei Geburtstagen


Ja, letzten Dienstag war´s endlich soweit: Jessica und ich sahen die Red Hot Chili Peppers live in Asuncion im Jockey Club. Oben seht ihr ein kleines Panorama davon (links und rechts von der Bühne waren solche Tribühnen und hinter uns war noch einmal ein zwei geschossiges "Plateau") - also echt mega-viele Menschen! Wieviele es insgesamt waren, kann ich echt nicht schätzen!










Die RHCP fingen (ohne Vorband) dann auch um kurz nach halb zehn an zu spielen. Altbekannte Hits, und wahrscheinlich auch Neueres (zumindest für mich Unbekanntes) ließen die Zeit sehr schnell vergehen - plötzlich war schon eine Stunde um! Die Light-Show und die Live-Übertragung auf den großen Leinwänden links und rechts von der Bühne machten den Abend genau wie die tierisch ausrastenden Paraguaschos zu einem echten Erlebnis! Insgesamt dauerte das Konzert knappe zwei Stunden - und für die 28€, die das Ticket gekostet hat, war das voll in Ordnung! Nach dem Konzert trafen wir dann noch einen Freund von Jessis Familie, der uns glücklicherweise heimfuhr - sonst hätten wir wohl ein Vermögen beim Taxifahren gelassen!

Am Donnerstag hat Britta ihren Geburtstag im "Brittania" gefeiert (ja, sehr passend, oder?). Dort haben wir lecker geschmaust (Foto rechts) und das Brittania-Bier genossen (auf dem Cover ist eine englische Bulldogge)! Alle ihre Arbeitskollegen kamen vorbei, nur die anderen eingeladenen deutschen Freiwilligen haben´s leider nicht geschafft. Naja, wir führten trotzdem viele sehr nette & lustige Gespräche auf Spanisch und Deutsch (da Brittas Freund aus Deutschland zu Besuch war, der ja kein Spanisch verstand). Übernachtet haben wir dann in einem Hostel in Asuncion, da die Heimfahrt zu lang, zu gefährlich und auch zu teuer gewesen wäre...

Der Freitagabend war vergleichsweise zur Woche sehr unspektakulär: Ich blieb zuhause und habe nur ein wenig mit Deutschland geskypt. Mit Bea, der deutschen Freiwilligen, die vor mir in meinem Projekt in Villa Elisa war, habe ich mich gut ausgetauscht, und aus dem Gespräch viel Mut & Kraft ziehen können!

Am Samstag besuchte ich dann Sol (Solvejg) in der Fundacion Fundar in San Antonio, um mal zu schnuppern, wie es denn bei denen so ist. Dort findet zwar quasi dasselbe wie in meiner Einrichtung, jedoch mit anderen Räumlichkeiten und natürlich einer anderen Profe und anderen Kindern statt.
Jedoch waren die Kinder iwie viel offener und die Atmosphäre zwischen Profe und Kindern auch viel besser. Kann aber auch daran gelegen haben, dass Samstag war und da vllt ein anderes Programm als unter der Woche stattfindet. Mit Sol, die schon ein halbes Jahr länger hier ist, konnte ich auch viel reden, was sehr gut tat - denn es ist schwer, Leute zu finden, die einen "wirklich" verstehen.
Nachmittags traf ich mich dann noch mit Patti und wir kochten zusammen bei ihr zuhause - endlich mal keine zerkochten Nudeln, sondern schön al dente! Um 18h machte ich mich dann dort auf den Weg, um um 19h an einer "Reúnion de Jovenes" (ein Treffen von Jugendlichen) der evangelischen Kirche teilzunehmen - und dank meiner neuen Bibel-App konnte ich die genannten Verse auch immer schön auf Deutsch "nachschlagen" und habe deswegen diesmal schon mehr verstanden! Ich wurde dann gegen 21h heimgefahren und da meine Familie noch auf einem Quince (einem fünfzehnten Geburtstag) war, war ich also wieder allein zuhause :-/ Mit Weggehen ist halt schwierig, wenn man noch niemanden kennt und es halt, sobald es dunkel wird, auch gleich mega-gefährlich wird...

Doch am Sonntag passierte dann noch mal richtig was: Ich wurde auf den vierten Geburtstag von Fernanda mitgenommen. Ich wusste nur, dass sie vier wird und bei Mc Donalds feiert (warum sich dafür alle mega aufgehübscht haben, hab ich  noch nicht verstanden). Haare wurden geglättet, Klamotten gebügelt, man schminkte sich und dann ging´s los - zu Mc Donalds. Alle Gäste waren mega aufgebrezelt und wurden dann auf ein Hamburger-Menü eingeladen - sehr witzig! Nun wurden die Kinder geschminkt und es kam sogar noch ein Zauberer, der weiße Tauben und einen echten Toucan herbeizauberte (wie mir später gesagt wurde, war der Zauberer wohl ziemlich berühmt), seine Show hat die Kinder und mich aber auch echt in Staunen versetzt!




Nach dieser Aktion bei Mc Donalds hatte '"Fer" noch nicht Feierabend, denn am selben Abend war noch ein "Festival de Danza" (eine, und zwar ihre erste, Tanzaufführung) - als kleiner Mariposa (Schmetterling) lief sie ein paar Mal ganz fix über die Bühne. Die Größeren tanzten dann noch traditionelle Tänze, Ballett und Reggaeton. Echt beeindruckend! Danach (und v.a. auch weil der Tag mit 38°C echt mega-heiß war) war ich dann echt erschöpft und freute mich auf "Zuhause". Hier noch ein Foto von den Schmetterlingen:


Und jetzt, am Montag und am Dienstag, habe ich noch nicht viel Neues erlebt. Auch habe ich noch keine Pläne fürs Wochenende, aber mal sehen, langsam wird´s - glaube ich - besser. Vamos a ver...

Dienstag, 5. November 2013

3 Monate ungekrauelt

Ja, jetzt bin ich schon seit drei Monaten hier. Drei Monate nun halte ich es schon ohne Kraueln, ohne vernünftigen Käse und ohne Kaffee aus. Hätte nicht gedacht, dass ich das alles vergleichsweise gut entbehren kann.
Aber ich will ja gar nicht viel rumquatschen, sondern hier davon erzählen, was ich inzwischen erlebt hab. Und das war glücklicherweise endlich mal einiges!

Angefangen mit dem Harfen-Konzert am letzten Samstag (von dem ich ja bereits im letzten Blogeintrag sprach), was wirklich eindrucksvoll war und Gänsehaut hervorgerufen hat! Paraguay scheint jetzt wirklich den neuen Weltrekord zu halten!  










Anschließend wurde ich von Patti noch mit ins „Bolsi“ mitgenommen (die ersten beiden Fotos sind auf dem Weg dorthin entstanden); wir haben uns mit der Schwester und den Cousinen einer anderen Freiwilligen getroffen – und zufälligerweise war an diesem Abend dort "Oktoberfest": das hieß Bier zu einem günstigeren Preis  für uns J – und es gab sogar Brezeln umsonst!



















Und ja, auch die Kellner und Kellnerinnen waren tatsächlich mehr oder minder traditionell gekleidet – ansonsten ist (glücklicherweise) aber keine Bierzeltstimmung aufgekommen. Ich bin ja nicht der größte Fan dieses Festes, aber als wir sogar noch in einer Promo-Aktion T-Shirts geschenkt bekamen (steht dick und fett „Oktoberfest“ drauf, nur auf dem Rücken zum Glück), machte das meinen ersten Ausgeh-Abend wirklich unvergesslich! 

Wir fünf Mädels sind dann noch weiter ins „Rockero“ gezogen (Links ein Foto davon, wie wir durch die Straßen Asuncions ziehen), eine echt saucoole Rock-Kneipe und endlich, endlich endlich finde ich Paraguay doch ein kleines bisschen cool! Da will ich unbedingt nochmal hin! Übernachten konnten wir dann in Capiata bei den Cousinen, um nicht alleine nachts heimfahren zu müssen (was ja in Paraguay nicht geht).

Am Sonntag war ich dann erst noch mit Patti auf´m Markt in San Lorenzo und später noch mit meiner Gastschwester und Britta an der Costanera, wo iwie ein Zombie-Walk stattfand (leider hab ich davon kein Foto für euch). Abends war ich sogar noch mit meiner Mutter mit´m Moto (rrad, also Roller) im Supermarkt, dort haben wir alles für die Empanadas-Herstellung gekauft! Und so ging am Montagabend dann ein weiterer Wunsch (der erste war ja, endlich mal auszugehen) in Erfüllung, denn mir wurde gezeigt, wie man Empanadas macht – echt saulecker! Aber leider auch verboten fettig ;-) (Ja Helge, ich werde in einem gesonderten Essens-Post dann auch mal Rezepte posten – versprochen!)

Das vergangene Wochenende lag ich leider wirklich flach – ich hatte Kotzeritis und Durchfall und das, obwohl ich genau dasselbe wie meine Familie gegessen hatte. Egal, ich hab´s überlebt! Und heute ging´s mir schon wieder so gut, dass ich nach der Arbeit sogar noch ins Fitnessstudio gehen konnte! Und dann wurde ich heute auch noch von meinem Bruder mit in die Kirche genommen – aber das ist eine andere Geschichte. Das erzähl ich nicht mehr heute, denn ich muss jetzt fix ins Bett, weil morgen ja das RED HOT CHILI PEPPERS Konzert ist – auf das ich mich schon tierisch freue!

Insgesamt merkt ihr also: Es wird besser - wenn auch langsam! Und ich nehme mir jetzt auch ganz fest vor, häufiger zu bloggen! Versprochen!
Allerliebste Küsse aus der Ferne, Annie :-*

Samstag, 26. Oktober 2013

Sowas wie Alltag

Ja, was gibt es Neues zu erzählen? Wieder mal nicht so viel. Ich habe letzten Freitag eine schöne Übernachtung bei Jessica gehabt und dann auch einen schönen Samstag mit ihr und ihrer Familie verbracht. Wir haben am Freitagabend Brot gebacken und am Samstag dann Amerikaner, die es als Nachtisch des Mittagessens gab. Am Sonntag wurde ich dann von meiner Familie auf den Geburtstag eines Onkels mitgenommen. Wie alt Alberto wurde, weiß ich jedoch nicht. Auch seine Torte hat dies nicht verraten:


Die Woche verging glücklicherweise relativ schnell, da ich mich jeden Tag mit wem verabredet habe. Am Montag habe ich mich mit Britta zusammen im Fitnessstudio zum Trainieren getroffen, und am Dienstag Patti in ihrer Mittagspause in San Lorenzo besucht. Am Mittwoch habe ich Jessica auf ihrer Arbeit unterstützt – und da sie von 15-20h arbeitet, habe ich dann auch anschließend wieder bei ihr übernachtet. Umso früher musste ich dann natürlich am Donnerstag aufstehen – um 20 vor Sieben stand ich bereits an der Bushaltestelle. Während meiner einstündigen Busfahrt fing es jedoch an zu regnen – und da in öffentlichen Einrichtungen, wie auch in meiner – die Arbeit ausfällt, wenn es regnet (die Kinder kommen einfach nicht, das ist hier so), hatte ich dann also ganz plötzlich & unerwartet frei (man stelle sich das mal in Deutschland vor!). 
Bin dann spontan zu Patti in ihr Projekt gefahren und habe dort den Tag mit ihr verbracht. Besonders gut hat mir dort der zweistündige Mittagsschlaf mit den Kindern gefallen ;-) Anschließend habe ich mir noch einen Regenschirm gekauft, denn ich bin jetzt wirklich häufig genug nass geworden! Danach war ich dann noch, wie ja fast täglich inzwischen, im Fitnessstudio. 
Heute, am Freitag, habe ich tatsächlich mal nichts vorgehabt – war deswegen länger beim Sport. Also mal n ruhigen Abend verbringen. Morgen möchte ich mich dann wieder mit Britta und Jessica treffen: Paraguay will nämlich (wenn ich alles richtig verstanden habe) den Guinness World Record im "die-meisten-Harfen-gleichzeitig-Spielen" brechen. Morgen sollen, sage und schreibe, 400 Harfen gespielt und gehört werden – ich werde versuchen, ein Foto davon für euch zu machen!

In meinem Projekt gibt’s nicht viel Neues – am Dienstag war jedoch ein vergleichsweise guter Tag: Ich habe die Aufgabe bekommen, mir zu überlegen, wie man mit den Kindern schöne Weihnachtskarten basteln könnte. Ob meine Ideen dann auch umgesetzt werden, ist noch mal ne andere Frage – „Vamos a ver“ (wir werden sehen). Auch hat sich mein AFS-Betreuer noch nicht wieder bei mir gemeldet – das braucht wohl auch noch mehr Zeit. 

Ich muss sagen, ich fand es sehr interessant, die anderen beiden Freiwilligen in ihren Projekten zu besuchen. Mal einen ganz anderen Umgang mit den Kindern zu erleben, ist toll – denn Jessica und Patti arbeiten beide in christlichen Projekten. Überhaupt mal wirklich so viel Zeit in einem Projekt und auch mit den Kindern zu verbringen, war ein ganz anderer Schnack – Gut, dass mein Projekt mir Zeit für solche „Ausflüge“ lässt! Nächste Woche möchte ich auch versuchen, weitere Freiwillige in ihren Projekten zu besuchen - würde mich freuen, wenn das klappt!

Und heute, an meinem ruhigen Freitagabend, habe ich mir die Zeit mit Skypegesprächen und dem Münsteraner Tatort vom letzten Sonntag vertrieben - natürlich auch mit Blogschreiben. Das fühlt sich doch fast heimisch an! Habe herzlich gelacht beim Tatort J!
Also: Ich bemüh mich weiterhin! Werde den Kopf nicht in‘ Sand stecken!
Besos (Küsse) in die Heimat, die ich sehr vermisse, Annika

Freitag, 18. Oktober 2013

Statusbericht

Tja, inzwischen bin ich also schon gute 2,5 Monate hier! Und ja, ich hab schon länger nichts mehr von mir hören lassen – das mit dem Nachtrag war ja ein wenig geschummelt. Im Großen und Ganzen ist aber nicht wirklich viel passiert in der letzten Zeit – leider.

In meinem Projekt gefällt es mir nicht wirklich gut, da die Profe nur wenig mit mir redet und mir vor allem Aufgaben wie „Bring die Becher in die Küche“ überträgt. Außerdem akzeptieren die Kinder mich, das muss ich sagen, nicht richtig, sondern äffen mich nach – nur wenige lassen sich von mir bei ihren Aufgaben helfen. Auf meinem zwanzig minütigen Fußweg dorthin stelle ich mir jetzt fast täglich die Frage „Warum mache ich das hier eigentlich?“, „Gefällt mir das?“, „Mache ich das wirklich freiwillig?“, „Hilft das hier wirklich irgendjemandem? –Mir? –Den Kindern?“ Ich fühle mich dort einfach häufig überflüssig. Inzwischen verstehe ich schon mehr als am Anfang, aber wenn ich andere Freiwillige von ihren Projekten reden höre, dann denke ich mir, dass ich lieber wie die länger (8-17h) arbeiten würde und dafür aber mehr Erfüllung in meiner Tätigkeit finden würde.

Und da ich im Vergleich zu den anderen deutschen Freiwilligen nur so kurz (8-12h) arbeite, kann ich mich eigentlich nur am Wochenende mit denen treffen. Denn um 19h wird’s ja dunkel = gefährlich; und da ich in Villa Elisa, einem Vorort von Asuncion, wohne, brauche ich eigentlich immer ne Stunde mit´m Bus nach Hause, so dass sich Treffen unter der Woche einfach nicht lohnt. So habe ich dementsprechend jeden Tag viel Zeit alleine rumzubringen. Auch wenn ich jetzt jeden Tag ins Fitnessstudio gehe (und wer mich kennt, weiß, dass ich das nicht machen würde, wenn ich nicht wirklich Langeweile hätte), habe ich immer noch viel Zeit. Deswegen fahr ich manchmal sogar schon zum Zeitvertreib ins Shopping oder auf den Mercado – leider immer alleine. Denn eine Sache habe ich hier wirklich unterschätzt: Freunde zu finden, ist schwierig. Man kommt einfach nicht in‘ Kontakt mit Gleichaltrigen – nicht im Projekt und auch nicht über meine Familie.

Ich freue mich also die ganze Woche über immer schon auf´s Wochenende, um mich dann mit Deutschen zu treffen und endlich mal was gemeinsam zu unternehmen! Vorletztes Wochenende habe ich bei Jessica übernachtet und am letzten Wochenende bei Britta. Das war schön! Aber Ausgegangen bin ich in den 10 Wochen hier noch nicht ein Mal – denn dafür braucht man "männliche Begleitung". Ohne die ist´s zu gefährlich – und das nervt echt! Wie sehr ich meine Freiheit vermisse, die ich in Deutschland hatte! Einfach wann ich wollte, in der Nacht alleine Rausgehen zu können... wenn´s auch nur ein um-den-Block-Gehen ist... Freunde treffen... Sich auf Busfahrpläne und Verabredungen verlassen können... Fahrrad zu fahren... Käse! Kaffee! So Vieles, was ich vermisse! Ich hatte ja gedacht, dass es hier so schön werden würde, ich so viele neue Eindrücke hätte, so viele neue Dinge kennen lernen würde, dass ich gar keine Zeit hätte, das alles zu vermissen. Aber leider ist dem nicht so.

Dennoch will ich den Kopf nicht in‘ Sand stecken oder Trübsal blasen. Ich find´s nur einfach echt schade, dass es so ist wie es ist. Ich habe mich auch schon mit meinem AFS-Betreuer getroffen und mit dem 1,5 Stunden (auf Spanisch!!!) über meine Problemchen geredet. Er hat mir Mut machen können, dass alles besser werden wird, und dass er mich mal in meinem Projekt besuchen kommen würde, mit der Profe reden  würde, mir vllt sogar ein Projekt für meine freien Nachmittage suchen würde und dass er mich auch mal mit in seinen Kindergarten nehmen würde, damit ich dort englisch unterrichten könnte. Aber mal sehen, wann und vor allem ob das passiert…

Wer mich kennt, weiß aber, dass es das Letzte für mich wäre, aufzugeben! Ich werde mir einfach weiterhin Mühe geben! Es wird schon (hoffentlich) irgendwann besser werden! Ich bleib tapfer! Morgen (Freitag) treff ich mich wieder mit Jessica und werde bei ihr übernachten. Wir wollen zusammen deutsches Brot backen und am Samstag auf den Mercado gehen – darauf freue ich mich schon! Und es sind auch keine 3 Wochen mehr bis zum Red Hot Chili Peppers Konzert (5. November); ich werde da mit anderen Deutschen zusammen hingehen – so setzt man sich kleine Ziele. Macht euch also keine Sorgen! Was mich nicht umbringt, härtet mich ab - hart sein, stark sein, Thies sein und so - ihr wisst schon was ich meine ;-) 

Samstag, 12. Oktober 2013

Nachtrag: Ausflug nach Aregua

Hier nun endlich der Nachtrag zum Ausflug nach Aregua.
Ich hab zwar jetzt – mit Unterbrechungen – wieder Internet zuhause, aber da ich jetzt nach der Arbeit in der Schule meist direkt nach Hause gehe, um dort mit meiner Familie zusammen Mittag zu essen (es sei denn ich hab mir was anderes vorgenommen) und nachmittags – gegen die Langeweile und meinen Empanada-Bauch ins Fitnessstudio gehe, bin ich dann abends doch meist erschöpft und schreibe dann nur noch mit Freunden…

Nochmal: Mein Ausflug nach Aregua
Nachdem ich meinen Onkel Ali (da er ein Auto besitzt) schon mehrmals darauf angesprochen hatte, ob wir nicht mal nach Aregua zum Erdbeermarkt fahren könnten, hieß es dann plötzlich von heute auf morgen: Morgen früh um 7h geht’s los (an einem Sonntag!) – aber ich wollte mich ja nicht beklagen und stand dann pünktlich zur Abholung bereit. Ich war ja auch schon ganz gespannt! Nach ca. einer Stunde Autofahrt kamen wir an – und zwar nicht beim Erdbeermarkt, sondern bei einer Familie. Dort holte Tio (Onkel) Ali dann wie selbstverständlich seine Kühlbox raus und es wurde erst mal angefangen zu grillen. Ist klar, dachte ich mir – gibt ja auch nichts Normaleres, als morgens um halb neun anzufangen zu Grillen! Uh Mann! Wieder verschwand ne halbe Kuh auf´m Grill und ich musste mich wohl noch gedulden, was den Erdbeermarkt betraf.


Iwann nach´m Essen gings dann tatsächlich zum Erdbeermarkt – das waren vllt 12 Stände an einer großen Straße. An jedem Stand gab es exakt dasselbe zu kaufen: Frische Erdbeeren, Erdbeeren mit Sahne, Erdbeereis, Erdbeersirup, Erdbeertorte, Erdbeermarmelade – einfach alles aus und mit Erdbeeren! Erstaunlicherweise hatten auch wirklich alle Stände so ein Kühlregal für die Sachen mit Sahne! 
Ich habe mich für einen Becher Erdbeeren mit Sahne entschieden und es war schon lecker. Aber mit Erdbeeren in Deutschland können sie trotzdem nicht mithalten!


Mir wurde auch gesagt, dass da sonst viel mehr Stände seien, aber wegen des Unwetters in der vergangenen Nacht (ihr erinnert euch an die murmelgroßen Hagelkörner?) sei halt weniger los. Dann, nach ca. 10 Minuten auf´m Erdbeermarkt ging´s auch schon weiter: zu einem Porzellanmarkt im Zentrum von Aregua – dort hatten die Hagelkörner auch so einiges zerstört! Überall lagen Scherben! Dort habe ich auch dieses Foto von einem Auto gemacht:


Überall Dellen im Blech und durch die Windschutzscheibe konnte man nicht mehr durchgucken – so zersprungen war das Glas! Krass, was für einen Schaden die Natur so anrichten kann (was der Mensch im Vergleich dazu anrichtet, ist natürlich viel schlimmer). Aber zurück zum Porzellanmarkt: Dort gab es wirklich von Tieren über Vasen bis hin zu Gartenzwergen alles! Hier habe ich noch ein Foto für euch von besonders hübschen Exemplaren gemacht:


Ihr seht, ich hab meinen Humor noch nicht ganz verloren,
haltet die Ohren steif, Annika

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Mein erstes Techo-Wochenende

Ja, die Überschrift impliziert es quasi schon: Dies war (erst) das erste Techo-Wochenende - mir hat´s mächtig gut gefallen und ich möchte sehr gerne noch an weiteren Konstruktionen teilnehmen!

Treffpunkt war am Freitagabend um 19h an der Universität Americana. Britta und ich hatten uns vorab schon verabredet, um gemeinsam dorthin zu fahren, denn um 18h wird’s ja dunkel, und deswegen wollte ich nicht allein eine mir (bis dato) unbekannte Adresse suchen. Hat dann auch wunderbar geklappt, auch wenn wir ziemlich ewig auf den Bus warten mussten (Fahrpläne gibt´s ja nicht) und deswegen erst gegen 20h ankamen. Wie sich herausstellte, war unsere Verspätung aber absolut kein Problem – „Hora paraguaya“ halt... Alle Freiwilligen der 150 zu bauenden Häuser haben sich nämlich dort eingefunden und mussten registriert und auf die unterschiedlichen Einsatzorte aufgeteilt werden. Neben Britta und mir haben noch 3 andere deutsche Freiwillige teilgenommen. Alle deutschen Freiwilligen wurden auf unterschiedliche Einsatzorte verteilt. Naja, der Registrierungsprozess zog sich ziemlich hin, da kontinuierlich immer mehr Freiwillige eintrudelten - daher haben wir fünf Deutschen uns entschieden, erstmal ein Bierchen trinken zu gehen. Im nächsten Straßen-Restaurant haben wir uns dann niedergelassen und viel gequatscht & gelacht. Gegen 22h ging das Programm dann tatsächlich weiter – alle Freiwilligen wurden offiziell begrüßt, und auch, wenn ich nicht alles verstanden hab, war´s ne ganz witzige Show. Hier ein Bild:


Anschließend wurden wir mit bestimmt 20 Bussen an unseren jeweiligen Einsatzort gefahren. Los ging´s ins Abenteuer! In einem Bus mit lauter fremden Latinos ging´s für mich nach Luque. Dort wurden wir mit einem kleinen Feuerwerk freundlich in einer Schule empfangen, die für die nächsten Tage unser zuhause wurde. Es gab noch Empanadas und eine kurze Vorstellungsrunde, dann konnten wir gegen 2h auch endlich unsere Schlafsäcke in den Klassenräumen ausrollen.

Am Samstagmorgen wurden wir um 6h(!) geweckt und es gab Bananen, Kakao, Schokolade und Chips zum Frühstück – sehr interessante Mischung! ;-) Und uns wurde erklärt, was heute geschafft werden sollte: Fünfzehn „Pilotas“ (Pfähle) sollten in die Erde versenkt werden und anschließend der Fußboden des Hauses darauf vernagelt werden. Die Techo-Häuser stehen nämlich auf Pfählen, damit sie bei Regen nicht „absaufen“. Wir wurden in Gruppen zu vier Leuten eingeteilt und erhielten unser Werkzeug:


Wir buddelten also die fünfzehn Löcher für die Pfähle (wobei ständig nachgemessen wurde, und die Pfähle mit einer Schlauch-Wasserwaage auf ein Niveau gebracht wurden, damit das Haus dann auch gerade steht). Das Mittagessen haben wir dann mit der Familie, für die wir das Haus gebaut haben, zusammen eingenommen - und das war sehr lecker! Am Nachmittag konnten wir dann die drei vorgefertigten Bodenteile montieren. Gegen 17h waren wir für diesen Tag fertig und es ging zurück in die Schule zum Abendessen. Danach gab´s noch einen echt schönen Programmpunkt: Wir saßen draußen in einem Kreis aus Kerzen und haben uns gegenseitig von den Familien, für die wir bauen, und unserem Tag erzählt. Auch wenn ich nicht alles verstanden habe, habe ich viel „mitbekommen“. Zum Abschluss wurden noch Himmelslaternen losgeschickt – und dann sind wir gegen 24h alle todmüde in unsere „Betten“ gefallen.

Am Sonntag gings dann wieder um 6h los – echt hart!! Aber wir wussten ja, wofür: Heute wollten wir schließlich den Familien ihre neuen Häuser übergeben! Die sechs Fertigwände mussten aufgestellt und vernagelt werden. Hier stehen schon drei der sechs Fertigwände:


Anschließend kommt noch das Dach drauf – kann ja nicht so schwierig sein, dachte ich. Jedoch hatten wir enorme Probleme mit einem echt verzogenen Brett – nachdem wir anfangs (leider erfolglos) versucht hatten, es irgendwie trotzdem mit diesem Brett hinzukriegen, musste das Brett dann doch wieder demontiert und ein neues organisiert werden. Das hat viel Zeit gekostet, so dass die Dunkelheit dann schon einsetzte und wir mit elektrischem Licht weiterarbeiten mussten. Nach zwei so anstrengenden Tagen war dann auch echt die Luft raus. Aber wir haben uns zusammen gerissen und das Haus für die Übergabe mit Luftballons und Girlanden geschmückt. Gegen 20h haben wir dann (endlich!!) feierlich das Haus übergeben. Das war ein echt toller Moment! Erschöpft und müde, aber glücklich – so würde ich das Gefühl nach dem Wochenende im Großen zusammenfassen. Gegen 23h war ich endlich wieder zuhause bei meiner Gastfamilie. Ich hatte echt Glück, dass mich die Eltern eines anderen Freiwilligen mitgenommen haben, sonst wär ich gar nicht wieder nach Haus gekommen!

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Ä! Ö! Ü! Oder anders: Ich hab wieder Internet!

Nur ganz kurz möchte ich mich melden, um Euch die feierliche Botschaft zu überbringen: Ich habe wieder Internet zuhause - und das heißt, dass ich wieder meinen eigenen Laptop mit meinen geliebten Umlauten zum Bloggen benutzen kann! Yeah, yeah, yeah! :)

Werde also die Tage ausführlich von meinem Techo-Wochenende berichten und die bisher nur versprochenen Fotos vom Zoo und dem Erdbeermarkt nachreichen! Soviel sei bezüglich des Techo-Wochenendes jedoch schon verraten: Eine tolle Aktion! Ich würd´s auf jeden Fall wieder machen!

Heute will ich aber wirklich mal früher ins Bett - deswegen nur die kurze Statusmeldung!
Bis ganz bald, Annika

Freitag, 27. September 2013

Hallo Leute! Zum Internet und Wetter...

Endlich melde ich mich mal wieder!
Viel ist passiert in den vergangenen 1,5 Wochen seit meinem letzten Post. Leider gehoert "wieder-funktionierendes Internet im Haus meiner Gastfamilie" nicht dazu, so dass ich immer noch das Internetcafe aufsuchen muss, um mit der Welt zu kommunizieren. Hier mal ein Foto davon, wie´s hier aussieht (Und ja: Die PCs hier haben Disketten-Schlitze! Unglaublich! Aber wenigstens funktioniert das Internet...)


Letzte Woche Montag ist meine Arbeit ausgefallen - wegen Regen. Ja gut. Die Kinder bleiben bei Regen zuhaus, manche müssen einfach helfen, das Dach der familiären Unterkunft festzuhalten usw.. Habe dann spontan Patti (eine andere deutsche Freiwillige) in ihrem Projekt besucht. Sie arbeitet mit Nonnen und weitaus mehr Kindern und v.a. ganztags dort. Mal einen Einblick in ein anderes Projekt zu bekommen, war fuer mich sehr interessant! Wenn moeglich, moechte ich auch noch in weitere Projekte hineinschnuppern, um einen besseren Eindruck und Ueberblick zu bekommen.

Am Mittwoch dann habe ich das erste Mal ohne paraguayanische Betreuung mit Britta (einer weiteren deutschen Freiwilligen) den Mercado 4 aufgesucht - ein sehr grosser Strassenmarkt. Hier mein spektakulaerer Fang (das KISS-Shirt):


Am Samstag war hier wettertechnisch ziemlich Weltuntergang. Erst hat´s nur geblitzt und gedonnert, dann kam Regen und Sturm dazu und dann hat´s sogar noch maechtig gehagelt - und das bei bestimmt 20 Grad! Das war schon krass! Hier ein Bild von den murmelgrossen Hagelkoernern:


Am Sonntag bin ich dann mit meiner Familie zum Erdbeermarkt nach Argua gefahren - das war echt ein schoener Ausflug - Fotos habe ich leider bisher nur auf meiner Kamera - werden also nachgereicht. Dort hat der Hagel doller zugeschlagen als bei uns - viele Daecher waren kaputt, viele gruene Blaetter wurden vom Sturm von den Baeumen gerissen und auch Autos hatten Dellen vom Hagel! Aufgrund dieses "Desastres" haben wahrscheinlich auch viele Familien das Dach ueber ihrem Kopf verloren - schlimm, wie die Natur hier manchmal zuschlaegt und ganze Lebensgrundlagen zerstört!
Aber um genau diesen Familien zu helfen, habe ich mich dieses Wochenende als Freiwillige bei "un Techo para mi Pais" (ein Dach fuer mein Land) gemeldet. Diese Organisation baut mit der Hilfe von Freiwilligen und Spenden Haeuser fuer die Aermsten von den Armen. Heute geht´s los - Freitag bis Sonntag - werde also wahrscheinlich naechste Woche davon berichten.

Bis dann erstmal ;-)

Mittwoch, 18. September 2013

Zum Geburtstag: Kein Internet

Entschuldigt, dass ich mich erst jetzt wieder melde, aber zuhause ist das Internet - seit Dienstag letzter Woche - tot. Warum, weiß man nicht - und wann es wieder da sei wird, auch nicht. Deswegen geh ich jetzt jeden Tag nach der Arbeit ins Internet-Cafe, um zumindest kurz meine Mails zu checken.

Eine Woche mit vielen Geburtstagen liegt hinter mir. Am Samstag hat meine Gastmutter in ihren 38sten Geburtstag reingefeiert. Am Sonntag kam die gesamte Familie zu Besuch zum Grillen. Hier ein ganz witziges Bild von meiner Oma beim Karaoke-Singen.


Am Mittwoch ging´s dann auf den naechsten Geburtstag. "Sebas"(Sebastian), der Freund/Mann der besten Freundin meiner Mutter, hat reingefeiert. Es hieß zwar im Vorhinien schon, dass es Asado (Gegrilltes) und Bands geben wuerde, aber dass er wohl mit drei Freunden zusammen voll die dicke Location gemietet hatte, wussten wir, als wir dorthin fuhren, noch nicht. Auch, dass zwei der vier Bands wohl ziemlich beruehmt waren, ist mir natuerlich nicht aufgefallen - wurde mir aber hinterher erzaehlt. Wir sind dann erst um 3h nachts heimgefahren! Hier ein Schnappschuss von der dritten Band:


Am Donnerstag hatte "Gabi" (Name, ich vermute, von Gabriel abgeleitet) Geburtstag. Diese Feier war jedoch vergleichsweise klein und nur mit der engsten Familie. Und dann wurde noch am Sonntag der Geburtstag von Tia Mami gefeiert - natuerlich wurde auch wieder gegrillt und Torte gab´s - natuerlich - auch:


Am Samstag habe ich mich dann noch mit zwei anderen deutschen Freiwilligen getroffen, um in den Zoo zu gehen. Das war sehr schoen! Viel gequatscht und viele Tiere gesehen - dafuer mach ich aber bei Gelegenheit nochmal nen extra Blogeintrag. Das hier muss fuers erste reichen ;-)

Hoffe, dass ich bald wieder Inet zuhause habe und mich wieder ein wenig mehr um meinen Blog kuemmern und euch allen dann von meinen Abenteuern berichten kann!

Montag, 9. September 2013

Post! Ich habe Post bekommen!

Ja, tatsächlich! Ein Brief meiner Eltern hat es ans andere Ende der Welt geschafft! Meine Adresse bekommen alle Interessierten, die mir eine persoenliche Nachricht schreiben.

Der Brief meiner Eltern war ca. 3 Wochen unterwegs - insofern müsst ihr voraussichtlich insgesamt sechs Wochen auf Antwort warten. Der Versand von Paraguay nach Deutchland ist günstiger als anders herum. Für einen A5-Umschlag hat meine Mutter 3,40 € gezahlt und zurück kostet´s 2,70 € - allerdings egal ob Karte oder Brief - das finde ich schon ganz schön happig für Paraguayaner! Aber hiermit verspreche ich, dass jeder, der mir schreibt, auch eine Antwort bekommt.

Auf dass ihr mir alle ganz fleißig schreibt ;-)

Dienstag, 3. September 2013

Fundación Fundar - mein Projekt

Heute möchte ich Euch mal ein wenig mehr von meinem Projekt erzählen. Ich arbeite in der Fundación Fundar Estrellita 3 in Villa Elisa. Fundar ist eine Stiftung, die sich zur Aufgabe gemacht hat, Kinder aus schwierigen Verhältnissen zu unterstützen. In Deutschland würde man so eine Einrichtung vielleicht als Hort bezeichnen. Die Kinder bekommen Essen, Kleidung und Betreuung bei ihren Aufgaben aus der Schule. Da das Schulsystem in Paraguay aber in Vor- und Nachmittagsschule untergliedert ist, es also einerseits Kinder gibt, die von 7-12h zur Schule gehen, andererseits Kinder, die von 13-18h in die Schule gehen, gehen Letztere dann morgens in unseren Hort. Das Bild zeigt, wie das Schul-/Hort-Gebäude von der anderen Straßenseite aussieht:


Meine Arbeit beginnt um 8h. Da ich glücklicherweise mein Projekt zu Fuß (20 min.) erreichen kann, muss ich also nicht ganz so früh aufstehen. Die Kinder müssen sich dann in Reihen aufstellen und dann werden der Reihe nach Hände gewaschen. Anschließend wird (es sei denn, es ist zu kalt) mit Selbstverständlichkeit die Nationalhymne gesungen.
Danach gibt es im Klassenraum, der an die große Sporthalle anschließt, Frühstück. Dieses besteht immer aus Cucido (sprich: Kußido) und Coquitos (sprich: Kukitos). Cucido ist ein auf Mate-Tee basierendes Getränk, das mit Milch und leider auch sehr viel Zucker zubereitet wird. Meistens wird die Milch auch aus Milchpulver angerührt. Cuquitos sind vllt mit Zwieback zu vergleichen - eigentlich ganz lecker. Ich helfe dann dabei, die Becher und die Cuquitos an die Kinder zu verteilen. Vor dem Essen muss natürlich noch gebetet werden. Und dann essen die Kinder, schweigend! 
Da es jetzt wieder wärmer geworden ist, ist sogar noch ein neuer Programmpunkt hinzu gekommen: Nach dem Frühstück wird noch der jeweilige Spruch aus einem Bibel-Kalender oder wahlweise ein Disney-Märchen vorgelesen - so üben die Kinder lautes Lesen. Danach wird dann bis 10h in den Cuadernos (Hefte) gearbeitet. Einige Kinder bringen ihre Aufgaben aus der Schule mit und die anderen bekommen Aufgaben von der Profé (der Lehrerin). Ich gehe dann herum und versuche, die Kinder bei ihren Aufgaben zu unterstützen. Manchmal verstehe ich die Aufgaben oder das, was die Kinder auf mich einplappern, jedoch selbst nicht und muss bei der Profé nachfragen (Ist aber schon weniger geworden!)

Von 10h bis 11h ist dann Spielzeit für die Kinder. Einige spielen Fußball, andere Tanzen oder beschäftigen sich mit selbst mitgebrachten Autos. Manchmal spiele ich mit, ansonsten beaufsichtige ich sie meist nur. Ab und zu helfe ich in dieser Zeit dann auch der Profé, Aufgaben in die Cuadernos zu schreiben.


Gegen 11h heißt´s dann wieder "Fila" (Reihe) - also wieder Aufstellen in Reihen, dann Händewaschen und anschließend geht´s wieder hoch in den Klassenraum zum Essen. Es gibt jeden Tag Suppe - einmal die Woche (!!!) sogar vegetarisch, ansonsten immer mit Fleisch - manchmal mit Reis, manchmal mit Nudeln. In den letzten Wochen habe ich häufig in der Fundacion Mittag gegessen, weil ich ja danach sofort zum Spanischkurs musste - und es war immer sehr lecker! Und zum Essen gibt´s dann wieder Cuquitos - 6 für die kleinen Kinder und 8 für die Größeren. Hier mal ein Bild von einer Portion:


Nach dem Mittagessen gibt es manchmal noch Ensalada de Frutas (Obstsalat) als Nachtisch - aber nur für die, die sich gut verhalten und ihr Mittag aufgegessen haben. Der Obstsalat hier ist übrigens absolut nicht mit "deutschem" Obstsalat vergleichbar: Paraguyanischer Obstsalat besteht meist nur aus Bananen und Orangen und v.a. schwimmt dieses Obst in mit-Getränkepulvern-angerührtem Zuckerwasser", "weil die Kinder das sonst nicht mögen würden". Anfangs konnte ich diesen "Obstsalat" echt nicht essen, weil er mir viel zu süß war, aber inzwischen muss ich gestehen, dass er mir auch ganz gut schmeckt. Manchmal gibt´s auch nur ne Banane auf die Hand - das gefällt mir insgesamt doch besser. Dann gegen 11:30h, spätestens 12h gehen die Kinder nach Hause, um sich für die Schule fertig zu machen (Schuluniform); meine letzte Aufgabe ist es dann, sie noch über die viel befahrene Straße zu begleiten. Dann habe ich Feierabend.
Fazit: Meine Tätigkeit insgesamt also an sich ganz aushaltbar. V.a. wenn ich von anderen Freiwilligen höre, dass sie echt bis 16/17h täglich arbeiten müssen. Aber n Zuckerschlecken sind diese vier Stunden nun auch nicht, denn bei 15-30 Kindern im Alter von 5-14 schreit halt immer iwer rum, macht iwer Quatsch oder ärgert andere. Auch, Kinder so unterschiedlichen Alters gemeinsam zu betreuen und zu fördern, ist jeden Tag wieder eine Herausforderung!

Da ich gestern das letzte Mal zu meinem Spanischkurs musste, mit welchem ich eigentlich nur das Busfahren geübt habe, habe ich jetzt auf einmal nachmmittags viel Freizeit. Mal sehen, was für eine Beschäftigung für den Nachmittags-Block ich in den nächsten Tagen auftun werde!

Mittwoch, 28. August 2013

Wie geht’s? Qué tal?

Ja, das ist wohl die Frage, die mir - sowohl von meinen deutschen Freunden wie auch von allen Paraguayern - am häufigsten gestellt wird. Hier in Paraguay antworte ich meist mit „bien“ oder „muy bien“ – weil ich auch gar nicht weiß, was „geht so“ heißen würde und weil das vielleicht auch unhöflich wäre, bzw. Nachfragen hervorrufen würde.

Insgesamt finde ich es sehr schwer, diese Frage und „wie es denn so ist - hier drüben“ zu beantworten. Die Antwort: Es ist weder schön noch schrecklich – es ist vor allem eines: ganz anders! Einerseits habe ich mich nach diesen drei Wochen schon ganz gut eingelebt, fühle mich ziemlich wohl in meiner Familie und auch in meinem Projekt.Andererseits bin ich auf einmal so „eingeschränkt“ im Handeln. Alles, was in Deutschland selbstverständlich war, muss hier erst neu erlernt werden: neben der Sprache, der Kultur und „Kleinigkeiten“ wie z.B. dem Busfahren noch so vieles mehr! Nichts ist mehr selbstverständlich. So habe ich zum Beispiel nach einigen Wasserausfällen die Einrichtung "fließendes Wasser" schon sehr schätzen gelernt. Und jetzt, bei um die 0° Grad nachts, wünsche ich mir so sehr meine deutsche Heizung – aber mit 3 Decken und meiner Wärmflasche, die ich glücklicherweise mitgenommen habe, wird es auch irgendwie gehen. Bisher habe ich alles ja zumindest überlebt ;-)

Inzwischen bin ich auch schon so versiert im Busfahren, dass ich schon ein gutes Stück Selbstständigkeit zurück gewonnen habe. Ich kenne die meisten Wege, die „meine“ Buslinien fahren, habe viele Orientierungspunkte, die mir Sicherheit geben, und kann mich im Gegensatz zum Anfang beim Busfahren entspannen, Musik hören und einfach diese andere Welt, die an einem so vorbeirauscht, genießen. Jetzt kann ich mich sogar schon „alleine“ mit anderen Deutschen treffen! Das ist sehr schön!

An vieles, was am Anfang super ungewohnt und neu war, habe ich mich jetzt ganz gut gewöhnt: Zum Beispiel die vielen Verkäufer im Bus. Die steigen einfach ein und verkaufen von Obst über Kekse, Olivenöl und Waschpulver eigentlich so ziemlich alles zu super günstigen Preisen. Auch Chipas, Chipitas und Cuquitos (traditionelles Gebäck) mag ich inzwischen sehr gerne. Hier ein Foto von Chipas:


Chipas kriegt man im Bus für 2000 Guarani – also ca. 30 Cent – dabei handelt es sich um Brötchen, die anstelle von Mehl fast nur aus Stärke, verfeinert mit Käse, bestehen und entsprechend mächtig, aber auch sehr, sehr lecker sind!

Gestern und heute war ich aufgrund der Kälte nicht auf Arbeit, denn dort gibt es keine Glasscheiben in den Fenstern – geschweige denn eine Heizung – und bei dieser Kälte (heute Morgen hatten wir nur 1°C) halte ich es dann echt keine fünf Stunden "draußen" und mit dem Wind aus! Ich will mir schließlich keine Lungenentzündung einfangen! Da langweilige ich mich lieber zuhause und gucke mit meinen Geschwistern alle drei Teile „Herr der Ringe“ – selbstverständlich auf Spanisch :-)

Muchos Besos a todos! 

Mittwoch, 21. August 2013

una semana con muchos eventos

Am Donnerstag hatte ich das erste Mal frei, denn es gab einen Präsidentenwechsel hier in Paraguay. Sehr angenehm, mal einen Tag nicht Arbeiten und anschließend direkt zum Spanischkurs zu müssen! Von anderen Freiwilligen, die die Amtsübergabe live miterlebt haben, habe ich Fotos von Militärparaden gezeigt bekommen, die zu Ehren des neuen Präsidenten durch/ aufgeführt wurden.

Am Freitag war dann "el día de los niños" (der "Tag der Kinder") - ein großer Feiertag hier in Paraguay! Dieser beruht, wenn ich es richtig verstanden habe, auf einer traurigen Geschichte: Im letzten Krieg sind wohl, nachdem so ziemlich alle Männer "gefallen" waren, die Kinder in den Krieg gezogen und haben für das Land gekämpft - dabei sind natürlich auch viele gestorben. Deswegen werden Kinder an diesem Tag besonders geehrt und kriegen viele Geschenke. Ich sollte schon um 7h (statt um 8h) in der Fundacion Fundar sein, da wir mit den Kindern ins Kino fahren wollten - sind wir aber den ganzen Freitag nicht. Warum wir nicht gefahren sind, oder zumindest etwas anderes als das Alltägliche gemacht haben, konnte man mir nicht sagen. Eigentlich war es ein ganz normaler Tag wie jeder andere, wovon ich sehr verwundert war, denn ich hatte in anderen Blogs schon von diesem Feiertag gelesen und wie groß das immer gefeiert wurde. Naja. Der Ausflug ins Kino war wohl einfach auf Montag verschoben...

Am Samstag wurde das 50jährige Bestehen von AFS Paraguay - mit einer großen Parade durch das Centro von Asuncíon - gefeiert. Alle waren vorher über Facebook eingeladen, teilzunehmen und Landesflaggen mitzubringen. So sind wir also mit vielen bunten Fahnen durch die Stadt gezogen. Dann sind wir mit kleinen Schiffchen über den Río Paraguay gefahren worden, denn auf der anderen Seite hat noch eine Festivität stattgefunden. Es gab traditionelles Essen & es wurde auch ein traditioneller Tanz aufgeführt. Hier ein Foto von der "anderen" Seite des Río Paraguay - mit der Skyline von Asuncíon im Hintergrund:


Abends wurde ich noch zu einem "Quince" - einem fünfzehnten Geburtstag - mitgenommen. Diese Quinces werden hier immer sehr groß gefeiert. Ich habe schon von mehr als tausend Gästen und unglaublichen Kleidern gehört. Deswegen war ich sehr froh, dass der quince von Milo (ein Kerl) vergleichsweise klein war. Vllt 60 Leute - viel Essen - viele Kinder - und nur 2 Bier :-) Denn hier trinkt man wohl aufgrund des Glaubens nichts. War auf jeden Fall eine interessante Erfahrung! Ich hoffe, irgendwann auch noch einen quince eines Mädels miterleben zu dürfen!


Am Montag ging es dann tatsächlich ins Kino! Alle vier Fundar Fundaciones wurden mit Bussen zum Kino gefahren. Dort habe ich auch die anderen Freiwilligen kennen gelernt. Insgesamt waren wir bestimmt 80 Kinder plus Betreuer. Zu sehen gab es "Die Schlümpfe 2" in 3D und natürlich gab es auch für jedes Kind einen Softdrink und Popcorn. War bestimmt echt ein mächtiges Erlebnis für die Kinder, die sich das sonst wahrscheinlich nie hätten leisten können. Auf Facebook hat die Fundacion Fundar viele Fotos von diesem "Event" gepostet - schaut doch einfach mal vorbei und liked die Seite. Hier nur ein Gruppenbild (ich ganz unten links):


Ja, und heute war wieder ein "normaler" Tag: morgens Arbeit, nachmittags Spanischkurs und abends habe ich dann noch für meine Familie Möhrenbratlinge (unser Hausrezept in Hamburg) gemacht - hat ihnen sehr gut geschmeckt! :)