Samstag, 22. November 2014

Teil 3: Ausflug nach Cachi y las Salinas Grandes

Verzeiht den großen Abstand zu meinem letzten Eintrag. Aber der Alltagsstress hat mich doch ein wenig überrannt. Vollständigkeitshalber möchte ich euch aber die schönen Bilder die ich auf meinem letzten Urlaub gemacht habe nicht vorenthalten. Also:

An den beiden darauffolgenden Tagen habe ich „Cachi“ und die „Salinas Grandes“ besucht.
(Quelle: Google Maps)

Cachi ist ein sehr kleines Dorf (2000 Einwohner), mitten in den Bergen. Wikipedia schreibt: „Cachi gehört zusammen mit der Provinzhauptstadt Salta und dem idyllischen Weinort Cafayate zu den drei Hauptattraktionen der Provinz. Der Ort Cachi ist in kolonialer Architektur gebaut und umgeben von Bergen in den Valles Calchaquíes.“ Eigentlich gibt’s da nicht wirklich viel zu sehen, außer ein paar Andenken-Läden und Cafés – aber es gab ein paar Hippies auf dem Plaza, dem  Marktplatz mit denen ich mich ein bisschen unterhalten konnte. Sie haben Musik gemacht und selbstgemachte T-Shirts und Räucherstäbchen-Halter verkauft und so kam es, dass ich jetzt ein T-Shirt von einem argentinischen Hippie besitze J
Am nächsten Tag ging es dann zu den Salinas Grandes – Die Karte oben verrät es schon ein bisschen: eine Salzwüste! Darauf hatte ich mich von vornherein am meisten gefreut. Wir fuhren über San Salvador de Jujuy nach Purmamarca. Dort hielten wir zuerst am cerro de los siete colores (dem Berg der sieben Farben) und machten wieder fleißig Fotos.

In Purmamarca gabs dann noch einen echt großen Markt mit Andenken, wo ich auch das eine oder andere Mitbringsel und mir selbst eine echt tolle Jacke gekauft habe.


Danach fuhren wir immer immer höher in unglaublichen Serpentinen – meine Wasserflasche zog sich schon zusammen aufgrund des höheren Luftdrucks.

So weit das Auge reicht: beeindruckende Berglandschaften!



Auf dem höchsten Punkt (4170m über NN) hielten wir dann nochmal kurz um ein Foto zu machen – und wie ihr es an meinem Gesichtsausdruck vielleicht schon erkennt: So dünne Luft ist echt gewöhnungsbedürftig!!! Glücklicherweise sind ist die Salzwüste dann wieder in einem Tal gewesen, sodass ich dort wieder halbwegs durchatmen konnte.

Und die Salzwüste war echt beeindruckend! Weiß! So weit das Auge reicht! Viele machten die typischen Jump-Fotos, ich aber nur ein Erinnerungsfoto (auf dem ich übrigens meine neue Jacke schon an hab), das diesen beeindruckenden Ort natürlich nicht wirklich wiedergibt – wie das immer so ist…

Als wir dann abends irgendwann zurück in Salta waren viel ich todmüde ins Bett und freute mich, dass ich so schlau gewesen war die Rückreise erst für den übernächsten Tag geplant zu haben – so hatte ich noch einen Tag, an dem ich in Ruhe noch mal durch Salta bummeln konnte und dann am darauffolgenden Tag zurück nach Asunción gefahren bin.
Die Rückreise war dann auch wieder ein wenig spannend. In Salta konnte ich nämlich nur ein Ticket nach „Clorinda“ (die letzte Stadt auf argentinischer Seite – etwa 30km entfernt von Asunción) lösen – nicht direkt nach Asunción. Angeblich sei es auch in Resistencia nicht möglich. Ich kaufte also das Ticket. In Resistencia dann, gab es dann nicht nur Tickets direkt nach Asunción (aber von einer anderen Busgesellschaft), nein, ich durfte auch gefühlte fünf Stunden auf meinen ja bereits bezahlten Bus nach Clorinda warten – eigentlich hätte ich nur 1,5 Stunden Aufenthalt dort gehabt. Natürlich konnte mir auch niemand sagen wie viel Verspätung mein Bus hat bzw. ob er überhaupt noch kommt – als ich bei der Busgesellschaft (am Schalter) nachgefragt habe, sagt man mir nur, dass ich doch gefälligst schnell wieder nach draußen  gehen solle um den Bus nicht zu verpassen!
Irgendwann kam der Bus dann glücklicherweise und fuhr mich auch nach Clorinda. Dort hatte ich dann tierisches Glück, dass ich noch einen Platz in einem Bus erwischt habe, der in einer halben Stunde losfuhr. Ich weiß gar nicht ob sonst noch ein regulärer Bus gefahren wäre, oder ob das der letztmögliche war. Sonst hätte ich mir wohl ein Taxi bis zur Grenze nehmen müssen, oder meine Gastfamilie anrufen müssen, dass sie mich abholen. Der Bus war steinalt, versifft und mega voll – Gurte gab es auch keine mehr – aber das war ich fast schon gewöhnt. An der Grenze dann wieder das typische Aus- und Einreise-Prozedere und dann kamen die Chipa-Verkäufer auch schon wieder in den Bus und wollten „dos Mil“ – also zwei Tausend Guaranies und keine Pesos mehr für ihre Produkte haben. Das fühlte sich doch schon wieder heimisch an!
Und als der Bus dann auf der Zielgeraden – ca. 800m vor dem Busterminal Asuncións starb, hatte ich dann die Ruhe weg, stieg aus und direkt in den nächsten Bus in Richtung Gastfamilie ein – da kannte ich mich dann ja wieder aus – das war ein schönes Gefühl! Als ich dann erschöpft von dieser insgesamt über 24-stündigen Fahrt erschöpft zuhause ankam, war von meiner 6 köpfigen Familie, außer den 3 Hunden natürlich, die sich tierisch freuten, niemand da. Das fand ich echt ein bisschen schade, fiel dann aber todmüde in mein Bett. Am nächsten Tag konnte ich dann allen von meinen Abenteuern erzählen und Fotos zeigen – das war schön!

Insgesamt war es eine wirklich schöne, wenn auch echt anstrengende Woche, die mir Lateinamerika noch einmal von einer ganz anderen Seite gezeigt hat. Schöner wäre es vielleicht noch gewesen, wenn ich nicht allein gereist wäre – aber ich hätte es auch bereut, wenn ich nur, weil niemand mitkommen wollte, es nicht gemacht hätte. Ich habe unbeschreibliche Orte gesehen – die ich sehr gerne noch mal wieder sehen möchte!

Sonntag, 5. Oktober 2014

Mis últimas vacaciones – Teil 2: Cafayate

Mis últimas vacaciones (3.-9. Juni 2014)

Früh am nächsten Morgen wurde ich dann von einem Großraumtaxi/ Kleinbus direkt an meinem Hostel abgeholt und unsere kleine Reisegruppe wurde begleitet durch einen Guide durch die Quebrada (~Gebirgslandschaft) ins ca. 200km entfernte Cafayate gefahren. Diese Berge sind echt beeindruckend, wenn man sonst nur die Harburger Berge kennt ;-)


Der Guide erklärte einiges zur wirklich atemberaubenden Landschaft und wir hielten an Aussichtpunkten und Sehenswürdigkeiten um Fotos zu schießen. Unter anderem am Garganta del Diabolo (der Teufelsschlucht) und am Anfiteatro, einem natürlichen Amphitheater.


Da Cafayate besonders für seinen Wein berühmt ist, wurden wir dort auch direkt durch ein Weingut geführt und nahmen auch an einer Weinprobe teil - und weil der Wein wirklich lecker war entschied ich mich meinen Gasteltern eine Flasche davon mitzubringen. Und nachdem wir die 200 km dann wieder zurückgelegt hatten, wurden wir gegen 18h zurück zu unseren Hostels gebracht. 
Obwohl ich ja eigentlich nur im Kleinbus gesessen hatte, war ich nach diesem ~11 stündigen Trip, wahrscheinlich auch der vielen neuen Eindrücke wegen tierisch erschlagen. Ich schrieb noch ein wenig Tagebuch und plante die nächsten Tage. Die Touren konnte ich nämlich sogar bei der Recepcionista (Rezeptionistin) meines Hostels buchen! Morgen geht’s nach Cachi (der Argentinier sagt: „Katschi“)!

Dienstag, 30. September 2014

Mis últimas vacaciones – Teil 1

Ja, seit meinem letzten Blogeintrag ist viel Zeit vergangen. Jetzt habe ich meinen Umzug in meine (alte) WG - zurück nach Lübeck - hinter mir und mich auch schon mit dem einen oder anderen Problemchen rumschlagen müssen. Insgesamt kann ich aber eindeutig sagen, dass ich glücklich bin wieder hier zu sein - auch wenn es jetzt leider unweigerlich kälter wird.
Da ich noch einige Geschichten zu erzählen habe, möchte ich dies jetzt gerne nach und nach tun. Klar, werden meine jetzigen Berichte nicht mehr ganz so „nah dran“ sein wie die anderen Einträge, denn schließlich konnte ich sie jetzt - im Gegensatz zu den immer sehr „Frischen“ eine gewisse Zeitlang verdauen und verarbeiten, trotzdem bzw. gerade deswegen hoffe ich, dass ich euch einen guten Eindruck von dem Erlebten vermitteln kann. Zuerst soll es um meinen letzten Urlaub gehen - mis últimas vacaciones (3.-9. Juni 2014) J


Ich habe den Bildschirmausschnitt extra so groß gewählt, damit man die Entfernungen im Verhältnis zueinander sehen kann: Die Reise nach Montevideo & Buenos Aires war ähnlich weit entfernt. (Quelle: Google Maps)

Mein letzter Urlaub führte mich nach Salta, Argentinien. Salta ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Nordwesten Argentiniens und liegt am Fuße der Anden. Genau, ich als Norddeutsche wollte endlich mal richtige Berge sehen, und habe mich deswegen auf eine 18 stündige Busreise dorthin aufgemacht (Ja, Google sagt zwar, dass man weniger Zeit dafür bräuchte - aber ich behaupte, dass ich mindestens 18 Stundenunterwegs war). Ich habe mir in Asunción zwar nur das Ticket nach Resistencia (Argentinien) kaufen können, aber wie mir versichert wurde, sei es kein Problem dort in den richtigen Bus umzusteigen. Eines der vielen Busunternehmen, die diese Route anbieten konnte mir sogar einen Flyer geben, auf dem die Abfahrtzeiten des kooperierenden Busunternehmens in Argentinien standen. Also entschied ich mich dort mein Ticket zu kaufen.
Und tatsächlich hatte ich trotz Verspätung (welch Überraschung!) großes Glück und konnte in Resistencia gerade noch meinen Anschlussbus kriegen. Nach insgesamt ~1200km und einer nicht wirklich erholsamen Nacht kam ich dann in den frühen Morgenstunden in Salta, la Linda an. Und ja: die Stadt war wirklich schön! Auch, oder gerade weil es anfangs noch sehr vernebelt war - so konnte ich durch den sich zügig auflösenden Nebel,  immer mehr dieser schönen Stadt entdecken. Ich suchte erst mal mein, schon im Internet reserviertes Hostel um meinen Rucksack dort abzustellen und machte mich dann auf Erkundungstour. Nachdem ich ein wenig Orientierung gewonnen hatte beschloss ich mit einer Gondel-Seilbahn, dem Teleférico auf den Berg San Bernardo zu fahren. Diese Gondeln erinnerten mich schwer an meine Skiurlaube, nur dass da oben angekommen weit und breit kein Schnee zu sehen war.


Von dort oben hatte man dann einen echt schönen Ausblick auf das Tal, in dem Salta liegt und konnte auch die Gebirgsformationen bestaunen! Gegen Mittag wurde es dann erstaunlich warm - in Asunción hatte ich mir schon wieder das Leggins- bzw. Jeans-Tragen angewöhnt gehabt, aber hier, in den Bergen war es tatsächlich wärmer! Und ich hatte mir extra warme Sachen eingepackt gehabt, weil ich dachte, dass es dort viel kälter sei. Aber besser so als andersherum J. Nachmittags buchte ich dann noch meine erste Tagestour, die mich am folgenden Tag nach Cafayate (der Argentinier sagt: „Cafaschate“) führen sollte. Der Vorteil an so touristischen Städten wie Salta liegt nämlich darin, dass man auch als Alleinreisende an quasi jeder Ecke Touren in die nähere Umgebung zu erschwinglichen Preisen erstehen kann. 

Donnerstag, 24. Juli 2014

Home, sweet home

Ja, inzwischen seit drei Woche bin ich nun schon wieder zurück. Zuerst in Hamburg, dann in Lübeck. Und möchte mich hier endlich mal kurz melden.
Also, erstmal das Wichtigste: Mir geht`s gut! Ich habe die 3 Rückflüge (Asunción – Buenos Aires, Buenos Aires – Frankfurt und Frankfurt – Hamburg) gut überlebt und auch noch einiges zu erzählen.


Da aber leider mein Laptop Anfang Juni den Geist aufgegeben hat, waren mir ein wenig die Hände gebunden...

Wieder "zuhause" zu sein ist wirklich ein komisches Gefühl, denn schließlich hatte ich "dort", auf der anderen Seite der Welt, auch eins. Klar vermisse ich Vieles, genieße es aber andererseits auch sehr wieder, hier - in der anderen Umgebung - zu sein.
Hier warten jetzt neue Herausforderungen auf mich! Ich hoffe, meinen Laptop die Tage wiederbeleben zu können, sodass ich von meinen letzten Abenteuern in Lateinamerika (nachträglich) berichten kann.
Insgesamt will ich den Blog wahrscheinlich auch weiterführen, mal sehen was sich ergibt.
Soweit erst mal, dicke Umarmung und bis bald!

Freitag, 18. Juli 2014

Desarollo Creativo

Desarollo Creativo heißt so viel wie „kreative Entwicklung“. Und dahin möchte ich euch heute mal mitnehmen.


Da ich ja in meinem Projekt nur vormittags arbeite, habe ich mir Mitte Januar eine zusätzliche Arbeit gesucht. Ich bin einfach zu Teleton, einer Organisation, die Familien mit behinderten Kindern unterstützt, hingefahren und hab nachgefragt, ob es was zu helfen gibt. Auf meine Frage wurde äußerst freundlich geantwortet: "Wir brauchen immer Freiwillige! Wie schön, dass Sie sich interessieren!"

Zuerst war meine - im Vergleich zu später - langweilige Aufgabe, Kisten zusammen zu stellen, die Familien mitgegeben werden, die es aufgrund der Entfernung nicht regelmäßig ins Rehabilitionszentrum von Teleton schaffen. Diese Kisten enthalten je 7 Briefumschläge mit unterschiedlichen Materialen, mit welchen die Eltern mit ihren Kindern unterschiedliche Dinge üben können. Sie enthalten zum Beispiel die Buchstaben des Alphabets, die Ziffern 0 bis 9, Kärtchen mit verschiedenen Farben und auch aus unterschiedlichen Materialien, um den Tastsinn der Kinder zu sensibilisieren.

Seit Anfang Februar (mit einer zweiwöchigen Unterbrechung durch meinen Urlaub) helfe ich jetzt zweimal die Woche in Werkstätten mit „besonderen“ Kindern – denn behinderte Kinder heißen hier „niños especiales“, also „besondere Kinder“. Mittwochs findet immer die Theater-Werkstatt und freitags die Kunst-Werkstatt statt. Es kommen unterschiedlich viele Kinder, aber nie mehr als 8, somit also immer überschaubar. Wir sind meist zwei Freiwillige, die das bunte Treiben tatkräftig unter der Anleitung von Andrea unterstützen. Andrea ist die Leiterin dieser Werkstätten, sie konzipiert und koordiniert die Inhalte und macht sich auch immer fleißig Notizen über die Entwicklung bzw. das Verhalten der einzelnen Kinder.
Nun habe ich schon (fast) stummes Handpuppen-Theater gespielt, viel Farbe aus Pinseln ausgewaschen sowie vom Boden aufgewischt und war so manches Mal persönliche Assistentin der kleinen Künstler. Ich hatte viel Spaß mit den kleinen Rabauken und es ist echt schön, jetzt einen Job zu haben, indem ich wirklich gebraucht werde, in dem ich mich noch mehr als nützlich erlebe.

Mit besonderen Kindern hatte ich ja keine Vorerfahrungen, aber ich muss sagen, dass mir die Arbeit gefällt, da sie so befreit ist und immer eine Überraschung für einen bereit hält. So freue ich mich auch immer schon auf die Mittwoche und Freitage, auch wenn´s echt stressig ist, direkt nach´m Mittagessen dann wieder los zu fahren. Aber das absolut losgelöste Lachen der Kids gibt einem viel zurück!

Mittwoch, 28. Mai 2014

El cerro Yaguaron

Am 19. Mai bin ich ganz spontan nachmittags mit einem Freund zu dem Berg „Yaguaron“ aufgebrochen. Nach 1,5 Stunden Fahrt (vom Terminal aus) kamen wir an und mussten diesen Berg – wortwörtlich – hochklettern. 


Die Aussicht, die sich uns dann oben angekommen bot, lohnte sich! Schön, tatsächlich mal ein wenig mehr von diesem Land zu sehen!


Wir tranken Terere (das Nationalgetränk), ließen die Gedanken einen Moment lang schweifen und mussten uns dann auch schon wieder an den Abstieg machen, denn die Dämmerung setzte schon ein! Glücklicherweise hatte ich (alte Pfadfinderin) natürlich eine kleine Taschenlampe dabei, die das Herunterklettern erheblich vereinfachte.

Auf den Bus zurück mussten wir nicht lange warten und so kam ich heil, aber erschöpft am letzten Montagabend wieder zuhause an.

Dienstag, 27. Mai 2014

Weihnachten im Mai

Operation Christmas Child (Samaritan's Purse)
Am 20. Mai kam ein Pastor zu uns ins Projekt und erzählte den Kindern etwas über bzw. aus die Bibel. An sich nichts Neues für mich, denn jeden Freitag kommt Skidder, ein amerikanischer Missionar, der den Kindern Geschichten aus der Bibel vorliest oder ihnen Englisch beibringt. Diesmal erzählte uns Roberto Carlos, so hieß der (mir) Unbekannte, von der Vergebung von Sünden. Wie er dann die Brücke dahin schlug, dass Großzügigkeit etwas Gutes ist, weiß ich nicht mehr genau; jedoch verteilte er anschließend an jedes Kind einen Schuhkarton voller Geschenke. Diese Kartons wurden in Kanada gepackt, einige enthielten sogar Briefe (auf Englisch) und Fotos von der Person, die den Karton gepackt hatte.


Sie enthielten allerlei nützliche Dinge: Bleistifte, Blocks, Scheren, Buntstifte, Federtaschen, Kartenspiele, Plüschtiere, Zahnbürsten, Seife, Socken, Haargummis, Süßigkeiten und kleine Spielzeuge. (Ich würde den Wert jeder einzelnen Kiste zwischen 10-15€ schätzen)


Auch hatte der Pastor noch kleine Bibel-Comics und TOMS-Schuhe für die kleineren Kinder dabei (die größeren Größen waren wohl schon vergriffen). TOMS ist eine Marke, die weltweit (ich bezeichne sie mal als Slipper, also leichte Schuhe) für (wie ich finde, teure) 20€ verkauft werden. Die Marke hat sich aber zum Grundsatz gemacht, dass sie für jedes verkaufte Paar ein Paar an mittellose Kinder spenden. Insofern ist der Preis dann ja (fast) wieder gerechtfertigt und man hat sogar das Gefühl, etwas Gutes zu tun, wenn man sich selbst neue Schuhe kauft. Am 20. Mai konnte ich dann mal die andere Seite erleben, und live dabei sein, wie den Kindern diese Schuhe geschenkt wurden.


Klar haben sich die Kinder über die Geschenke gefreut, aber nicht so, wie wir Europäer oder wahrscheinlich auch die Kanadier sich das vorstellen. Leider muss ich sagen, dass die Kinder diese Geschenke nicht wirklich wertgeschätzt haben, was ja zu wünschen wäre. Die Freude über die Dinge war schnell verflogen, dann wurde verglichen, wer die tolleren Geschenke hat, Tauschgeschäfte wurden gemacht, außerdem wurden Verpackungen aufgerissen und achtlos auf den Boden geschmissen (ich durfte sie dann später aufsammeln). Obwohl die Kinder eine Freiwillige (nämlich mich) im Hort haben, die die englische Sprache beherrscht, wollte eigentlich niemand seinen Brief übersetzt bekommen - und einige der Briefe landeten gleich im Müll! Das eine Foto, das mitgeschickt wurde, wurde mit der Frage „Zeig mal, hat die Geld?“ quer über den Tisch rufend angefordert. Schade! Ich hab dann mal ein einzelnes Kind angesprochen und mit ihm über die Kisten geredet. „Glaubst du, dass die Person, die deine Kiste für dich gepackt hat und dir etwas schenken wollte, viel Geld hat?“ Nach kurzem Zögern, denn diese Frage war offensichtlich unerwartet, antwortete mir Junior „Ich glaube nicht, aber ein großes Herz.“ – Na, die Antwort versöhnte mich dann doch ein bisschen.

Ich erinnere mich noch, dass ich in der Mittelstufe auch einmal an einem ähnlichen Projekt teilgenommen habe. Meine damalige Schule hatte dazu aufgerufen, Schuhkartons für - wenn ich mich recht erinnere - afrikanische Kinder zu packen. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich damals einen Brief geschrieben habe, aber jetzt, wo ich gesehen habe, wie wenig die Kinder mit solchen Briefen anfangen können, würde ich vielleicht nicht mehr unbedingt mitmachen. Man muss grundlegend was ändern in der Welt, keine Allmosen verteilen.


21. Mai – warme Klamotten von Skidder
Letzte Woche hat (der schon oben genannte) Skidder den Kindern Klamotten geschenkt, und zwar wirklich "justito" (im richtigen Moment), denn schon am nächsten Tag fiel die Temperatur um 15°C(!!!) auf etwa 10°C! Es gab für jedes Kind eine lange warme Hose, einen Pulli/Sweatshirt, sowie 1x Unterwäsche und ein Paar Socken. Die Kinder erhielten die großen Pakete (jeweils wurde ein Foto von der "Überreichung" gemacht) und probierten ihre neuen Klamotten gleich über.


Im Hof wurde dann noch ein Gruppenbild gemacht, welches Skidder seiner Kirche in Michigan (den Spendern) zuschicken wird und dann zogen die Kinder die „warmen“ Klamotten (> 90% Polyacryl) wieder aus und verstauten sie in ihren Rucksäcken.
Auch in diesem Fall ist wenig Dankbarkeit von der Seite der Kinder zu spüren. Aber vielleicht ist das hier auch einfach so. Vielleicht schätzen diese Kinder die Geschenke insgeheim im Stillen und zeigen es aus Stolz nicht so.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Jetzt, eine Woche danach, ist es leider immer noch kalt. Nach einem dreiviertel Jahr Flip-Flops-Ttragen bin ich jetzt wieder auf meine Chucks umgestiegen, auch zieh ich schon meine Thermo-Leggins unter meine Jeans - denn im Projekt haben wir keine Heizung und wenn ich mich da stundenlang (bei heute 8°C) aufhalte, will ich mich schließlich nicht erkälten! Wenn die Kinder dann trotzdem in Flip-Flops kommen, schaudert's mich echt! Das ist echt schlimm mit anzusehen! Schwer zu verstehen, denn eigentlich besitzen sie alle Schuhe und auch Socken. Als ich meine Profe fragte, warum die Kinder denn in Flip-Flops kommen würden, antwortete sie, dass die Eltern ihre Kinder "so" (also mit Flip-Flops "bekleidet") ins Projekt schicken würden; - DAS ist das wirklich Schlimme. Da blieb mir der Mund echt offen stehen, da weiß man dann wirklich nicht mehr, was man darauf sagen soll!

Freitag, 23. Mai 2014

La película „Libertad“

Heute gibt's einen kürzeren Post als gestern, und heute wird's auch nicht so kritsch, denn heute möchte ich nur von einem kleinen Highlight berichten: Zum Feiertag der Independencia Nacional, dem Unabhängigstag Paraguays am 15. Mai, habe ich bei mir im Projekt dank der Unterstützung meiner Gast-Familie den Film „Libertad“, also Freiheit, zeigen können. Dieser Film wurde erst vor einigen Jahren zum 200jährigen Bestehen des Landes gedreht und handelt davon, wie Paraguay die Freiheit/Unabhängigkeit von Spanien erhält. Geschichte zum Anfassen!


Wir haben also einen Beamer, zwei große Papierbahnen als Leinwand, einen Verstärker und einen DVD-Player, sowie  - um das Kinoerlebnis perfekt zu machen - Pororo (Popcorn) und Gaseosa (Cola & Fanta) mitgebracht. Den Kindern hat dieses Erlebnis, glaube ich, ganz gut gefallen und ich bin froh, mal ein wenig für Abwechslung gesorgt zu haben. Vielleicht hat ja sogar das ein oder andere Kind so ein wenig mehr über die paraguayische Geschichte gelernt...?
Meine Gast-Familie hatte mir den Film schon vor Monaten voller Stolz präsentiert: meine Gast-Schwester spielt darin eine Nebenrolle.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Viaje al Chaco

Anfang Mai (9.-11.) hatte AFS Capiata eine Reise ins Chaco organisiert. Eigentlich fand ich den Preis (80€) zu teuer und das Programm zu krass durchgeplant. Außerdem steh ich nicht so auf solche AFS-Reisen, weil das für mich immer bedeutet, mit einem Haufen internationaler 16jähriger in einem Bus irgendwohin zu tuckern und eigentlich nicht wirklich was von Land & Leuten mitzubekommen. Aber da ich an dem Wochenende noch nichts anderes vor hatte und quasi ja die Möglichkeit bestand, dass wenn man in‘ Chaco fährt, und man auch tatsächlich was vom Chaco sieht, bin ich doch mitgefahren. Die Reise nach Salto Cristal war ja schließlich auch nicht wirklich schlecht gewesen. Außerdem wurde mir in meiner ganzen Paraguay-Zeit immer wieder von „den Deutschen“ im Chaco, den Mennoniten erzählt, mal positiv, mal negativ, insofern war ich gespannt, diesen Teil Paraguays mal selbst kennenzulernen und mir ein eigenes Bild davon machen zu können. Meine Erlebnisse musste ich jedoch echt erstmal einen Moment sacken lassen, bevor ich darüber schreiben konnte, und ich hoffe, dass ich euch jetzt einen guten Einblick vermitteln kann.


Ich ließ mich also auf dieses teure, vermeintliche Abenteuer ein und wurde lieberweise am Freitag um 23 h abends von meinen Gast-Eltern zum AFS-Büro gebracht, wo der riesige Reisebus schon wartete. Um 24 h ging‘s dann tatsächlich pünktlich los und wir fuhren die ganze Nacht durch, bis wir morgens um 7 h in Menno, einer Mennoniten Kolonie, ankamen. Wir bekamen als erstes einen kurzen Film gezeigt, von dem ich leider nicht allzu viel verstand, der aber die Geschichte der Mennoniten behandelte. Zum Glück gab‘s danach auch noch Broschüren auf Spanisch, Englisch und Deutsch.

Aus der Deutschen möchte ich hier zitieren:
Wer sind die Mennoniten?
Die Mennoniten sind eine freie evangelische Glaubensgemeinschaft. Sie entstand im 16. Jahrhundert in Mitteleuropa in der Reformationszeit. Diese Gruppe wollte Lehren der Bibel radikal in ihrem Leben umsetzen. Anstatt der Kindertaufe führten sie die Erwachsenentaufe auf den persönlichen Glauben ein, so dass sie Wiedertäufer oder Taufgesinnte genannt wurden […] Der Priester Menno Simons aus Witmarsum, Holland, trat 1536 aus der katholischen Kirche aus, schloss sich den Täufern an und sammelte diese verfolgten Brüder und wurde ihr Leiter. Nach ihm wurde diese Gruppe Mennisten oder Mennoniten genannt.
Aufgrund ihrer radikalen Glaubenshaltung wurden die Mennoniten lange Zeit hart verfolgt und viele starben als Märtyrer. Sie lehnten den Militärdienst ab und lehrten die radikale Trennung von Staat und Kirche. Verfolgung und Unterdrückung führten ab 1530 schon zu Wanderungen ostwärts bis Danzig und Weichsel-Gegend (Polen – Preußen), wo sie die Sumpfgebiete für die wirtschaftliche Bearbeitung trocken legten.Landnot und Wehrpflicht in Preußen führten bald wieder zur Wanderschaft. Der Einladung der Zarin Katharina II folgend, zogen ab 1788 Mennoniten nach Südrussland und gründeten dort Kolonien […] Im Jahre 1874 wanderten einige Mennoniten aus Russland nach Kanada aus […] und siedelten dort an. Am Anfang bestanden die Mennoniten aus einer religiösen Gruppe Wiedertäufer die ausschließlich europäischer Herkunft waren. Dank der Missionsarbeit gibt es heute Mennoniten in aller Welt.

Die Kolonie Menno im Chaco
1926/1927 wanderten 1743 kanadische Mennoniten (200 Familien) nach Paraguay aus und gründeten eine Kolonisationsgemeinschaft im Zentralen Chaco. Dies sollte die erste von vielen Mennonitenkolonien werden, und sie wurde Menno genannt.
Grund der Auswanderung: Die kanadische Regierung veröffentlichte 1916 ein Einsprachegesetz, wodurch nur Englisch in den Schulen unterrichtet werden sollte. Dieses wurde von den Mennoniten als Eingriff in die Glaubensfreiheit angesehen, da sie in den privaten deutschen Gemeindeschulen vor allem auch den christlichen Glauben weitergaben.
Warum Paraguay? Der damals noch unerschlossene wilde Chaco bot Siedlungsland in einer von der Welt abgelegenen Gegend, und die paraguayische Regierung genehmigte den Siedlern Glaubensfreiheit, Selbstverwaltung, Befreiung vom Militärdienst, und bot den Mennoniten somit eine Heimat, in der sie ihren Prinzipien gemäß leben konnten.
Heute: Es leben in Menno 9.609 deutsch-mennonitische Siedler in 100 Dörfern; im Zentrum Loma Plata allein sind es 4.147. Sie besitzen 755.000 ha Land; 1927 wurden 54.800 ha gekauft.

Wie aus diesem (bewusst? lückenhaften) Auszug schon deutlich wird, begreifen sich die Mennoniten als Vertriebene. Dass sie aber selbst die indigene Bevölkerung Paraguays vertrieben haben, und diese aus ihren tollen deutschen Gemeinden ausschlossen, oder sie nur als billige Arbeitskräfte ausgebeutet haben, steht nirgends…Sie haben es vermutlich nicht bemerkt.
In den letzten Jahren wurden allerdings sogenannte „Nachbarschaftshilfsprojekte“ gegründet, die den Indigenen jetzt helfen sollen. Auf diese Projekte ist man mächtig stolz, dass das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist (den die Mennoniten durch ihre Vertreibung und Ausgrenzung erst so „heiß“ gemacht haben), möchte natürlich niemand hören…

Wir besichtigten anschließend noch eine von Mennoniten geführte Milchfabrik, eine der größten Paraguays, ein Museum, in dem ich nach langer Zeit wieder deutsche Wörter las, und fuhren dann noch nach Fortin Boqueron, einem Ort, an dem wohl eine entscheidende Schlacht zwischen Uruguay und Paraguay geführt worden ist. Dort gab es zum Mittagessen auch noch Asado, bevor wir zurück nach Filadelphia in ein drei-Sterne-Hotel fuhren, um dort zu übernachten.


Für Sonntag wurde angekündigt, dass wir die indigene Bevölkerung besuchen würden. Genau wie ich es mir schon in meinen schwärzesten Gedanken ausgemalt hatte, fuhr der klimatisierte Reisebus in ein indigenes Dorf und die ganzen Weißen (selbst Paraguayer sind ja nur hellbraun) stiegen aus, um sich umzusehen und "Gutes zu tun". Wir sollten die extra für diesen Zweck mitgebrachten, ausgetragenen Klamotten an die Indigenen verschenken. Ich fand die ganze Situation echt fürchterlich! So überhaupt nicht "auf Augenhöhe". Eher wie im Zoo, wenn man wilde Tiere besucht und füttert. Zudem trugen die Indigenen alle bessere Klamotten als meine Kinder in meinem Projekt. Andere Mitreisende fanden die Situation nicht so schlimm wie ich, verschenkten ihre alten Kleidungsstücke beherzt und fühlten sich nach der Aktion besser als vorher. Als wir nach ca. einer halben Stunde wieder in den Bus stiegen und davonfuhren, blieb für mich ein bitterer Nachgeschmack zurück. Solche Aktionen vergrößern den (Kommunikations-)Spalt nur noch. Genau so sollte es nicht laufen! Lieber hätte ich mit den Indigenen zusammen Mittag gegessen, oder sie – dann auf Augenhöhe, mit Respekt – durch den Kauf von Kunsthandwerk oder Snacks unterstützt, aber so, so fand ich die Begegnung echt unwürdig und absurd.

Anschließend fuhren wir noch zu Lateinamerikas größtem Flughafen, der höchstwahrscheinlich wirklich nur flächenmäßig der Größte ist, denn die eigentlichen Landebahnen oder einen Terminal sahen wir nirgends. Wer will denn auch schon in‘ Chaco? Eben: Niemand! Nachdem wir auf dem Flughafengelände zu Mittag gegessen hatten (wieder Asado) ging‘s dann auch „schon“ zurück nach Asunción. Nach 9 (!!!) Stunden Fahrt kamen wir um 1h nachts endlich wieder am Terminal an; und wenn mein goldiger Gast-Bruder mich nicht abgeholt hätte, hätte ich wohl ein Vermögen im Taxi lassen müssen.

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Vom Chaco hatte ich also insgesamt -wie befürchtet - nicht wirklich viel gesehen. Dass AFS Capiata diese Reise in dieser Weise schon seit Jahren wiederholt, kann ich eigentlich auch nicht wirklich glauben. Klar, ein wenig hab ich gesehen, ein wenig, wenn auch nur sehr einseitig über die Geschichte der Mennoniten erfahren. Sicher ist, dass es keine Altnazis sind, die nach‘m zweiten Weltkrieg ausgewandert sind, um sich da ihr nächstes "Reich" aufzubauen; aber diese Verdrängung von Einheimischen befremdet mich schon. Im Supermarkt und in den Museen waren die Beschilderungen auf Deutsch - und das in Paraguay - und unser Reiseführer sprach fließend Deutsch (mit amerikanischem Akzent).

Auch wenn viele Paraguayer die Mennoniten loben, dass sie in den wirklich harten und trocknen Chaco Infrastruktur und Fabriken gebracht und somit auch Arbeitsplätze geschaffen haben, ist mir insgesamt ein seltsamer Nachgeschmack geblieben – mit den Deutschen da im Chaco hab ich nichts am Hut.

Dienstag, 6. Mai 2014

Fiona & Shrek

Vergangenes Wochenende bin ich mit meiner Gast-Familie zu einer Hochzeit nach CdE (Ciudad del Este) gefahren. CdE ist die zweitgrößte Stadt Paraguays, liegt, wie der Name schon sagt, im Osten des Landes und ist etwa 330 km – also mindestens 5 Autostunden von Asunción entfernt. „Glücklicherweise“ waren zwei meiner vier Geschwister durch Klausuren verhindert, sodass wir nur zu fünft fuhren (sonst hätten wir nämlich noch die zwei Sitze im Kofferraum einbauen müssen und insgesamt alle weniger Platz gehabt).
Am Freitagnachmittag ging das lang erwartete Abenteuer dann endlich los! Nach einer gefühlt ewigen Fahrt kamen wir im Dunkeln bei der Familie der Braut an. Wir bestellten noch Pizza und fielen dann todmüde in unsere Betten.

Am Samstag stand nicht nur die Hochzeit, sondern auch eine große Shopping-Tour an: Denn CdE ist ein wahres Paradies für Schnäppchenjäger! Wikipedia schreibt „Aufgrund ihrer strategischen Lage im Dreiländereck zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay, der Triple Frontera, ist Ciudad del Este ein Einkaufs- und Handelszentrum […] Nur ein Teil dieses Handels ist legal, ein Großteil basiert dagegen auf dem Schmuggel mit den Nachbarländern Argentinien und Brasilien. Auch werden sehr viele gefälschte Markenartikel verkauft.“ Neben Klamotten gibt es verdammt viel Technik zu (wie ich vermute) sehr guten Preisen – und, wie mein Gast-Vater mehrmals betonte, sei CdE die einzige Stadt, in der alle Preise im Internet veröffentlicht werden – man muss halt nur wissen, was man will, dann könnte man gezielt suchen und den besten Preis finden.
Wir kauften also tatsächlich extrem viele Dinge: von Rücksäcken über Taschen, Koffer, Klamotten, und auch Technik, sodass auf der Rückfahrt kein Platz mehr im Kofferraum war! Alle Preise waren nur in US-Dollar ausgeschildert, was die Preise noch niedriger erscheinen ließ (4$ = 20.000 Gs). Aber man konnte auch mit Guaranies (der offiziellen paraguayischen Währung) bezahlen. Eine weitere (wie ich finde, seltsame) Eigenart ist, dass man am "Ort 1" seine Artikel „abgibt“, dann bekommt man eine Quittung, die man am "Ort 2" bezahlt, dort kriegt man dann einen Stempel, um dann am "Ort 3" seine inzwischen verpackte Ware abzuholen. Meiner Meinung nach sind das reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen – zudem super kundenunfreundlich, da das Prozedere ewig dauert. Und ob die einzelnen Artikel dann in der Tüte landen, ist dann auch noch mal so ne Sache... Da kann natürlich einiges schief gehen; und wenn man (wie wir) die Tüten kaum noch zählen kann, dann verliert man schnell den Überblick! Wenn man selber packt, ist das anders. Und man stelle sich einmal vor, man würde sich ein sehr teures Produkt wie z.B. ein Iphone 5, ein Tablet oder ein Notebook kaufen und bezahlt erstmal ~500$, kriegt dafür nur eine kleine Quittung und darf dann mit diesem „teuren“ Zettelchen noch mal durch´s halbe Einkaufszentrum laufen um „Ort 3“, die Warenausgabe, zu finden – ein NoGo, wie ich finde! Aber hier total normal.

Erschöpft von dieser Shopping-Tour kamen wir dann nachmittags „nach Hause“, wo das Aufbrezeln für die Hochzeit schon begonnen hatte – also nichts mit Ausruhen. Während meine Gast-Schwester und -mutter zum Frisör fuhren, machte ich mich auch fertig. Die Gäste sollten sich um 19.30 h in der Kirche einfinden, wo um 20 h die kirchliche Trauung stattfinden sollte. Jedoch kamen meine Schwester und meine Mutter erst um kurz nach 20h vom Frisör zurück – und mein Kleid musste noch gebügelt werden... Erstaunlicherweise war ich jedoch die einzige, die davon gestresst war. Gegen 20 nach 20 h kamen wir dann bei der Kirche an und gingen quasi mit dem Brautpaar gemeinsam in die Kirche hinein. Also alles ganz tranquilo. Und, ach ja: meine Gast-Familie nannten Teresa & David, das Brautpaar, im Geheimen „Fiona & Shrek“ – daher die Überschrift – obwohl ich weder „Fiona“ noch „Shrek“ ähnlich hässlich wie deren Namensgeber fand, aber ja gut. Nach der kirchlichen Trauung fuhren wir zum aufwendig geschmückten Festsaal. Dort wurden natürlich viele Fotos gemacht, es wurde Brautwalzer getanzt, getrunken und gegessen, der Brautstrauß geworfen – das Übliche halt.


(von links nach rechts: mein Gast-Vater Pedro, ich, Shrek, Fiona, meine Gast-Mutter Franci und zuletzt meine Gast-Schwester Fabi (Renato schlief schon im Auto))

Vier Kellner servierten den Gästen Getränke und Essen – zügig geht anders. Das Essen irritierte mich (doch sehr seltsam): Ein Stück Hühnerfleisch, ein Stück Schweinefleisch, etwas Kartoffelsalat (Kartoffel mit Mayo), Reis und dazu zwei weiße, leicht süße Brötchen. Da das Fleisch auch noch mit einer weißen Soße bedeckt war, war der (weiße) Teller eigentlich nur mit weißen Zutaten bedeckt – keine Farbe, kein Gemüse (die 2,5 Kartöffelchen zählen nicht). Ich hatte mir was Eindrucksvolleres vorgestellt. Naja.
An einem Stand konnte man sich Cocktails mischen lassen und gegen 1h ging dann auch das Licht aus und die Leute fingen an zu tanzen. Da wir aber alle vom Shopping-Trip erschöpft waren, tanzten wir nicht bis in die Morgenstunden, sondern fuhren gegen 2h „nach Hause“. Am Sonntag traten wir dann gegen 11 h die Heimfahrt an, und kamen sogar vor Einbruch der Dunkelheit wieder in Villa Elisa an.

Insgesamt hatte ich ein sehr schönes, wenn auch anstrengendes Wochenende mit meiner Familie und ich bin sehr dankbar, dass sie mich mitgenommen haben. Tolle Familie – tolles Erlebnis!
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Auf einmal vergeht die Zeit doch ganz schnell, jetzt sind´s nur noch 57 Tage bis zum Flug! Gerade wo’s anfängt, mir zu gefallen, steht der Abflug schon so nah – komisch ist das! Mal sehen, was ich in den verbleibenden Tagen noch erleben werde – ich werde Euch auf dem Laufenden halten. Besos & bis ganz bald, Annie

Sonntag, 20. April 2014

La Comida typica

Da ich furchtbar langweilige, verregnete Ostertage hinter mir hab, bin ich nun endlich dazu gekommen, den längst überfälligen Essens-Post zu schreiben. Also, los geht’s:

Das Essen ist hier im Allgemeinen meist sehr fettig (häufig frittiert), und eigentlich gibt es kein Gericht ohne Fleisch. Obligatorisch wird dazu natürlich immer weißes Brot gereicht – als wenn es nicht vorher schon ungesund genug wäre...(ich weiß, Vollkornbrot ist eine wirklich einsame deutsche Spezialität auf dieser Welt) J

- Sehr typisch ist das Asado (das Grillen), aber davon hab ich ja jetzt schon häufig genug berichtet. Und wie Ihr wisst, bin ich ja auch nicht soooo der Fleisch-Fan. Ich ess dann lieber die Salate oder Mandioka (ähnlich wie Kartoffel, aber viel nussiger).
- Als zweites muss dann die Sopa Paraguaya genannt werden – eine Art (salziger) Kuchen aus Maismehl, Queso paraguayo, Margarine, Zwiebeln und Eiern. Diese „Suppe“ (wörtlich übersetzt) wird oft als Beilage zum Asado gereicht. 
Die sogenannte Chipa ‘guazu ist eine Abwandlung davon, wo zusätzlich noch frischer Mais mit in den „Kuchen“ hinein kommt. Übrigens ist der „Sage“ nach die Sopa Paraguaya wirklich aus einer Suppe entstanden (daher der Name), welche versehentlich zu lange gekocht wurde; so entstand – durch Zufall – ein Nationalgericht.
- Sehr typisch sind natürlich auch Empanadas. Das sind gefüllte Teigtaschen. Die drei beliebtesten Geschmacksrichtungen sind „Carne“ (Fleisch, meist mit gekochtem Ei), „Pollo“ (Hühnchen) und „Jamon y Queso“ (Schinken und Käse). An ausgewählten Empanada-Ständen und bei großen Empanadas-Ketten, wie zum Beispiel „Don Vito“, gibt’s dann auch andere Sorten. Meine Favoriten sind „Quattro Quesos“ (Vier Käse) und „Choclo“ (Mais mit Käse). Die Preispanne ist relativ groß: Von 1000 bis zu 3800 Guaranies pro Stück (also 16 - 62 Cent/ Stück), insgesamt auf jeden Fall ein sehr günstiger, leckerer, gut sättigender Snack – man stelle sich sowas mal in Deutschland vor! In meiner jetzigen Familie machen wir auch häufig Empanadas selbst: mit Gemüse-Hühnchen- oder auch Gemüse-Sojafleisch-Füllung – das ist immer ein Schmaus – natürlich viel leckerer als die von der Straße! Aber eigentlich ist das Empanada-Zubereiten auch gar nicht so der große Zauber, da man die Empanada-Rohlinge in jedem Supermarkt kaufen kann. Und die Füllung ist schnell gemacht. Ohne die Discos jedoch (wie hier die Rohlinge heißen) ist das natürlich nicht so einfach. Man sagte mir zwar, dass der Teig so wie Nudelteig sei, also eigentlich ganz einfach, aber ihn selbst zu machen, wenn man ihn auch kaufen kann, dafür ist man dann halt meist zu faul… Wer macht denn in Deutschland auch Nudeln selbst? Eben.
- Ein etwas leichter nachzumachender Snack sind Tortillas. Dabei handelt es sich nicht um die dreieckigen Chips – das sind Nachos, sondern  – ich möchte fast sagen – um herzhafte (natürlich frittierte) Pfannkuchen. Das Grundrezept aus Eiern, Mehl und Milch wird dann noch mit „Queso paraguayo“ (einem paraguayanischen Käse), „Cebollitas“ (Frühlingszwiebeln) und anderen Kräutern oder Gemüse verfeinert. Hier ein Rezept für Euch (und vor allem für dich, Helge):

Tortillas
500 gr Mehl
3 Eier
100 ml Milch
200 ml Wasser
1 EL Salz
Öl zum Frittieren
Optional: geriebener Käse, Lauchzwiebeln, Mais etc
Zubereitung: Zuerst die Eier aufschlagen und mit der Milch verrühren, dann allmählich das Mehl unterrühren. Klar, der Teig braucht dann wieder mehr Flüssigkeit – dafür das Wasser. Die Konsistenz soll am Ende dann am Ende auch eher flüssig sein, sodass man den Teig gut mit einer Kelle in eine Pfanne mit heißem Öl geben kann. Ach ja: den Esslöffel Salz und die optionalen Zutaten nicht vergessen!

Tortillas kann man natürlich „pur“ essen, oder auch mit Reis zu einem „richtigen“ Gericht machen. Aber Obacht: Man sollte dieses leider echt fettige Gericht nicht zu oft essen ;-) auch wenn es echt verdammt süchtig macht!

 
(Anmerkung: Neulich haben wir das Rezept mit Reismehl ausprobiert - das war um einiges "mas liviano" - also leichter/ gesünder. Weiß aber gar nicht, wo man sowas in Deutschland kaufen könnte...)
- Auch sehr typisch sind Milanesas. Auf Deutsch: Schnitzel. Die gibt es hier auch an jeder Ecke für kleines Geld zu kaufen. Wie ich finde, sind sie hier leckerer, denn sie werden vor dem Panieren und Frittieren in Oregano, Kumin (das gelbe im Curry), Salz & Pfeffer, Limettensaft uuund Knoblauch eingelegt – und das schmeckt man natürlich auch :-P Die Milanesas isst man dann mit weißem Reis, als „Sandwich de Milansa“ (Schnitzelbrötchen), oder auch einfach pur. Ich musste also erst die halbe Welt umreisen, um zu lernen, wie man richtige Schnitzel zubereitet - Haha! 
Hamburguesas, Lomitos und (Super-) Panchos, sind weitere Snacks, die man auf der Straße für wenig Geld kaufen kann. Dabei handelt es sich um Hamburger (mit Frikadelle), Burger (mit richtigem Fleischlappen) und Hotdogs (der Reihenfolge nach übersetzt). Ein(e) „Hamburguesa completa“, d.h. mit Spiegelei, Käse, Schinken, Salat und Tomate kostet dann so 1,20€ oder so – echt schlimm günstig! Neben „Hamburguesas de pollo“ (mit Hühnchenfrikadelle) bin ich auch noch ein großer Fan des „Lomito arabe“, der fast dem „deutschen“ Dürüm gleicht – also Hühnchen oder Fleisch vom Spieß in arabischem Brot eingerollt (2-3€). Die Panchos, oder Superpanchos (große Hotdogs), haben leider nichts mit den unglaublich leckeren Hotdogs von Ikea gemein, aber so ist das halt: wieder eine Sache mehr, auf die ich mich freue, wenn ich zurückkomme (Ikea dann sogar neu in Lübeck!)
- Zu erwähnen ist dann noch Guiso, ein Fleisch-Eintopf mit entweder Fleisch oder Hühnchen und Reis oder Nudeln. Dafür wird zuerst quasi die Soße gekocht, diese dann so stark verwässert, dass man die Nudeln oder den Reis darin gar kochen kann (entsprechend ist hinterher auch jedes Vitamin verkocht), schmeckt aber trotzdem echt gut.
- Und dann gibt es noch Chipas und Churros. Chipas werden entweder aus Mandioka-Mehl zusammen mit (mehr oder weniger) Queso paraguayo, Eiern, Margarine und (dem Latino-Gewürz schlecchthin) Anis hergestellt – bestehen also quasi nur aus Stärke und Fett, sind somit mächtige Kalorienbomben! Bei Churros handelt es sich um frittierten Teig, der mit „Dulce de Leche“ (einer Art Karamellcreme) gefüllt wird und dann in Zimt und Zucker gerollt wird – das ist selbst mir zu süß!

Wie ihr seht (bzw. lest), gibt es also viel Fastfood, viel Frittiertes, viele unglaublich leckere Dinge für schrecklich wenig Geld und an jeder Ecke. Insofern bin ich echt ein bisschen stolz, dass ich bisher nicht wie ein Hefekuchen aufgegangen bin! Was auch mit an der – vergleichsweise – gesunden Ernährung in meiner jetzigen Familie liegt! Hier gibt’s nämlich immer „Pan integral“ (was man zwar mit Vollkornbrot übersetzt, welches aber natürlich nicht an unser Deutsches herankommt), sowie Salate zu jeder Mahlzeit. Da bin ich schon sehr froh und deswegen koche ich auch gern mal was und zeige Gerichte aus „meinem Land“. Wie neulich schon die Franzbrötchen…
Inzwischen läuft jetzt auch der Countdown: Noch sind´s 73 Tage bis zum 1. Juli – dem Stichtag für den Flug. Und im Gegensatz zu anderen Freiwilligen, die am liebsten gar nicht mehr zurückfliegen wollen, freue ich mich drauf, Euch alle „bald“ wieder in die Arme schließen zu können – auch wenn ich die Empanadas vermissen werde – haha ;-)

Samstag, 12. April 2014

San Jerónimo

Am letzten Sonntag war ich mit meiner Gast-Schwester und einem Freund von ihr bei einem Graffiti-Event im Centro Asuncions. Davon hatte ich auf Facebook gelesen und da wir beide noch nichts anderes vor hatten, schauten wir da mal vorbei. Im Urbanian Hostel wurde der Innenhof durch ein großflächiges Graffiti verschönert – wir hatten uns das irgendwie anders vorgestellt – irgendwie größer, mit mehr Leuten und so, aber egal, wir machten ein paar Fotos und bummelten dann noch ein wenig weiter.


Zuerst gelangten wir zu einigen Straßen (totes (?) Gewerbegebiet?), die voll mit schönen Graffitis waren – das erinnerte mich fast ans wunderschöne Montevideo!


Und dann – eher zufällig – kamen wir nach San Jerónimo: Ein total schönes, ich möchte fast sagen, "touristisches" Eckchen. 



Bunte Häuser, kleine wunderschöne Gässchen und einfach eine ganz tolle Atmosphäre! Es gab sogar einen Aussichtspunkt, von dem man den Rio Paraguay und die Skyline Asuncions sehen konnte!


Allem in allem ein wunderschöner Sonntagsausflug und ich bin froh, jetzt ein neues schönes Eckchen in Asuncion zu kennen (davon gibt’s ja leider nicht so viele). Schade, dass ich das noch nicht kannte, als Kasi hier war, das hätte ihm bestimmt auch gefallen!

Samstag, 29. März 2014

Si quieres --- puedes!

Es war wohl mal wieder Zeit für eine öffentlichkeitswirksame Aktion von Fundar und so trafen sich die Kinder der 4 Einrichtungen am 26. März in Villa Elisa. Normalerweise wurden immer zwei Busse gemietet, um in jedem Bus jeweils ca. 40 Kinder zu transportieren. Da wir uns aber diesmal in Villa Elisa getroffen haben – also ca. 20 Kinder nicht transportiert werden mussten – wurde der eine Bus einfach wegsanktioniert, sodass der eine Bus llenisimo (suuuuper voll) war. Meine Profe hatte mir glücklicherweise erlaubt, direkt nach Villa Elisa zu fahren, weil das für mich ja näher dran ist, sodass ich mir die Busfahrt in dem meeega vollen Bus ersparen konnte.

Die „Überraschung“ (die Kinder wussten im Vorhinein nicht, was der Grund des Ausflugs war) war ein Zauberer – el Mago de los Pobres (der Zauberer der Armen). Ein Zauberer, der so die Standard-Tricks zeigt. Er bezog die Kinder schön mit ein in seine Show und, was mir auch gefallen hat, wiederholte immer wieder seinen Zauberspruch: Si quieres --- puedes! (was so viel heißt wie „Wenn du willst --- dann kannst du!“) – eine schöne Botschaft! Die Kinder hatten wieder ihre farbigen Shirts an, die ihnen letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt worden waren: San Antonio in grün, Villa Elisa in orange, Guarambare in rosa und Ypane in lila.



Auf diesem „Event“ lernte ich auch Sophie kennen, eine deutsche Freiwillige, die erst seit einem Monat hier ist und in Guarambare wohnt und arbeitet. Sie war in der Woche, als ich Pri dort besucht hatte, krank gewesen und nun sehr interessiert an meinen bisherigen Erfahrungen. Echt schade, dass AFS den Austausch zwischen den „Älteren“ (ich meine die, die wie ich, schon über ein halbes Jahr hier sind) und den „neuen“ nicht fördert, sondern man sich nur zufällig kennenlernt. Mir hätte das auf jeden Fall in meiner ersten Zeit stark geholfen!

Nach dem Zauber gab´s dann noch Mittagessen – und zwar für ca. 80 Kinder – entsprechend ein riesiges Chaos! Die ersten waren schon fertig mit dem Essen und die letzten hatten ihre Teller noch gar nicht. Natürlich wartete auch der Bus schon und die Kids mussten zurück in ihre Dörfer gefahren werden, um möglichst noch pünktlich zur Schule zu gehen (alle Fundar Kinder sind „turno tarde“, gehen also aus Mangel an Klassenräumen nur nachmittags zur Schule). Ich verabschiedete mich von den Kids und Sophie und stieg in einen Bus in die entgegengesetzte Richtung. Ich war bestimmt als Erste, nach ca. 15 Minuten, zu Hause! Was für ein Chaos! Aber den Kids hat´s gefallen – und mir ja auch J

Donnerstag, 27. März 2014

Estrellita 2 - Fundar Guarambare

Am 20. März (ich weiß, ist schon ne Woche her - aber ich wollte zuerst von Metallica berichten) war ich die Fundar Einrichtung in Guarambare – Estrellita 2 besuchen. In meiner Einrichtung war nämlich über sechs Wochen eine AIESEC-Freiwillige aus Chile, über welche ich auch andere AIESEC-Freiwillige aus Brasilien und auch eine aus Italien kennengelernt habe.

Kurzer Exkurs zur Organisation AIESEC:
AIESEC wurde 1948 in Stockholm gegründet und ist inzwischen die größte internationale Studentenorganisation weltweit. Das Ziel der Organisation ist – ähnlich wie bei AFS – die Völkerverständigung durch Austausch. Jedoch legt AIESEC einen anderen Fokus: Es werden internationale Praktika in den Bereichen Management, IT, Soziales und im Bildungsbereich organisiert und vermittelt; außerdem wird Wissen und Know-How innerhalb der Organisation auf regionalen, nationalen und internationalen Konferenzen ausgetauscht. AISEC versucht gezielt Studenten zur Übernahme von Verantwortung und Führungspositionen zu motivieren, durch begleitende Seminare und Konferenzen sollen diese Führungserfahrungen dann ausgetauscht werden, um verantwortliche, tolerante und kulturell-offene Führungskräfte auszubilden. Diese sollen dann zukünftig Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen – meiner Meinung nach also um einiges nachhaltiger als das Programm von AFS. Vielleicht kann ich mit denen ja auch ein Praktikum im Ausland machen?! Mal sehen, da kümmere ich mich drum, wenn ich wieder da bin.


Pricilla, die Italienerin, hat 6 Wochen in Guarambare bei Fundar gearbeitet, wo ich sie letzten Donnerstag besucht habe. Guarambare ist verdammt weit draußen! Von Villa Elisa ist´s noch mal ne ganze Stunde im Bus und man denkt echt schon: da kommt nichts mehr. Pri musste sogar 2 Stunden täglich hin- und zurückfahren!
In Guarambare dann angekommen, habe ich die Einrichtung aber schnell finden können und habe den Tag dort mit ihr und den Kindern verbracht. Es war ein nieseliger Tag, weswegen nur wenige Kinder gekommen waren. Deswegen wurden auch nicht (wie sonst) Hausaufgaben gemacht, sondern es wurde gebastelt und gemalt J Nachdem die Kinder dann nach dem Mittagessen gegangen waren, hatte ich noch ein sehr gutes Gespräch mit der Profé Norma, die mir nochmal einen anderen Blick auf die Fundacion Fundar vermittelt hat. „Es fehle nicht am Geld, es würde nur falsch bzw. gar nicht eingesetzt werden – und bei ihr in Guarambare würde eh nichts ankommen, weil´s so weit draußen sei“. Das Abflussrohr der Klos sei zum Beispiel kaputt, das hätte sie zwar schon mehrmals gemeldet, weil vor allem im Sommer der Gestank manchmal unaushaltbar sei, aber trotzdem würde nichts daran gemacht werden. Ich bewunderte, wie egal ihr das zu sein schien – als hätte sie das mit Fundar eh schon aufgegeben, trotzdem wirkte sie nicht entmutigt, sondern so, als wolle sie halt das Beste aus dieser wirklich schlimmen Situation machen. Bewundernswert! (Und dass Fundar die Lehrerinnen sowie die Köchinnen nicht gut bezahlt, ist in dem Zusammenhang natürlich auch keine Überraschung).

Dieser Besuch und vor allem das Gespräch mit Norma haben mir echt die Augen ein Stück weiter geöffnet. Bei Fundar läuft echt vieles falsch, das hatte ich zwar schon vermutet, aber jetzt weiß ich es wirklich. Und es scheint alles so fest gefahren – diese Vetternwirtschaft – furchtbar! So blieb mir von dem eigentlich schönen Tag mit Pri und den Kids ein fieser Nachgeschmack... 

Mittwoch, 26. März 2014

Metallica by request

Am 24. März durfte ich Metallica live erleben! Schon geil! Ich fuhr mit meinen beiden Gast-Geschwistern um 18 h los zum  Jockey Club (wo ich auch schon im November die Red Hots gesehen hatte). Diesmal war aber alles noch voller als letztes Mal – gefühlte 1.000.000 Konzertbesucher und dazu nochmal 1.000.000 Verkäufer. Verkauft wurde eigentlich alles: von Getränken: Leche (wörtlich „Milch“, gemeint: Bier J), Gaseosa (Cola, Fanta, Sprite – halt alles mit Gas, also Kohlensäure) und Wasser über Essen: Asadito (kleine gegrillte Fleischspieße), Hamburguesas, Panchos (Hot Dogs) und Caramelo (Süßigkeiten & Kaugummi) bis hin zu (gefälschten) Merchandise Produkten wie T-Shirts und CDs. Die unendlich lange Schlange am Eingang ging glücklicherweise schnell voran, sodass wir bald schon drinnen auf die Vorbands warteten. 


Leider ist die Vorband, auf die ich mich im Vorhinein schon gefreut hatte, ein Orchester aus selbstgebauten, recycelten Instrumenten, nicht aufgetreten; und die andere Vorband fand ich schlecht. Naja, um 21:30 h hatte das gespannte Warten endlich ein Ende und Metallica eröffneten mit „Battery“ und spielten ihre zweistündige Setlist mit anschließenden Zugaben. Schon beeindruckend, eine Band live zu erleben, die 1981 gegründet wurde – also älter ist als ich selbst. Und obwohl ich schon stundenlang Kirks Soli rauf und runter gehört und auch viele Live Konzerte und Interviews gesehen hatte, war es ein einzigartiges Erlebnis, die "alten" Männer mal live in Aktion zu sehen!


Es gab bei diesem Konzert auch Dinge, die mir leider nicht so gefallen haben: Normalerweise touren solche Gruppen ja, um ihr neues Album vorzustellen und zu vermarkten. Metallicas neuestes Album ist jedoch noch nicht fertig und deswegen wurden auf der Lateinamerika-Tour nur (ich übersetze „by request“ mal mit) „Wunschkonzerte“ gespielt. In jeder Stadt konnte im Vorhinein online über die Playlist abgestimmt werden – und die Songs mit den meisten Stimmen wurden dann gespielt. Auch während des Konzertes gab es eine Live-Abstimmung per SMS. Hinzu kamen die etwa 10 unterschiedlichen Preisklassen an Tickets, die von ewig weit weg, bis hin zu auf der Bühne stehen & mit James zusammen Songs ansagen reichten (und ich will nicht wissen, wie teuer letztere Tickets waren). Auch, dass James, der Frontmann, meinte, dass wir das schönste Publikum seien – solche Phrasen finde ich einfach uncool. Für mich wirkte das alles sehr gekauft – durch und durch vermarktet. Früher haben Heavy Metal Bands gespielt, was sie wollten – haben einfach ihr Ding gemacht, und ob´s dem Publikum gefallen hat oder nicht, war für sie erstmal irrelevant. Naja, jetzt sind sie halt alle Familienväter und ich bin ja auch glücklich, sie überhaupt mal live gesehen zu haben – das möchte ich hier gar nicht schmälern! Sie haben ne klasse Show abgeliefert! Nur die rundherum-Inszenierung hat mir halt nicht so gefallen –  reine Geschmackssache.

Und der eine, neue (vorher nicht abgestimmte) Song „Lords of Summer“ (oder so ähnlich), der auf dem neuen Album erscheinen wird, der hat mir auch wirklich sehr gefallen – sehr treibend! Kann man echt gespannt aufs Album sein! Soweit meine Konzertreview, bis die Tage, Eure Annie

Donnerstag, 20. März 2014

La aventura de Salto Cristal

Ich habe mich am Samstag, dem 15. März einem Ausflug von AFS-Freiwilligen und AFS-Austauschschülern nach Salto Cristal angeschlossen. Salto Cristal gehört quasi zu den Sehenswürdigkeiten Paraguays. Es handelt sich dabei um einen Wasserfall, der ziemlich abgeschnitten in der Pampa liegt (158 km von Asunción entfernt) und deswegen eigentlich unerreichbar für mich.

Glücklicherweise hatte sich José Romero (genannt Romero), ein Paraguayo, der wie viele andere Paraguayos diesen Wasserfall noch nicht gesehen hatte, bereit erklärt, den Ausflug zu organisieren – es war also kein von AFS organisierter Ausflug (wär ja auch zu cool, wenn AFS sowas planen und anbieten würde). Romero hatte eine Facebook-Veranstaltung erstellt und alle Austauschprogrammteilnehmer eingeladen; so kam es, dass wir ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus den unterschiedlichsten Ländern (Ammis, Belgier, Italiener, Deutsche und Paraguayos) waren.

Angesagt war Folgendes: Start um 7h beim AFS-Büro, es gäbe 20 Plätze, die Teilnahme würde 90 Mil Guaranies (~15€) kosten (und außer der Fahrt nichts beinhalten); wir würden gegen 19h wieder beim AFS-Büro eintreffen.
Ich entschied mich kurzerhand, an diesem „Event“ teilzunehmen, da ich noch keine weiteren Pläne fürs Wochenende hatte und ich auch diese (wahrscheinlich) einmalige Chance nicht verstreichen lassen wollte.

Geschehen ist Folgendes:
Das Abenteuer ging schon damit los, dass ich eine Stunde mit´m Bus zum AFS-Büro brauche und es morgens um 6h noch dunkel ist. Da "dunkel" mit "gefährlich" gleichzusetzen ist, war ich sehr froh, als mir meine Gast-Eltern anboten, mich doch hin zu fahren - das sei doch kein Problem. So standen wir also gemeinsam am Samstagmorgen um 6h auf (denn mit´m Auto braucht man nur ne halbe Stunde) und fuhren in der Morgendämmerung zum AFS-Büro. Ich und ein anderer Deutscher waren die einzigen Pünktlichen – was hatte ich auch anderes erwartet?
Bis 8h waren dann inzwischen auch alle anderen eingetrudelt und es ging endlich los! Angeblich sollte die Fahrt 2 Stunden dauern, aber selbst Googlemaps sagte voraus, dass die Strecke 3 Stunden dauern würde – nunja, das hätte mir schon im Vorhinein zu denken geben sollen. Nach ca. einer halben Stunde Fahrt fing es an zu regnen – Oh Nein! – da aber das paraguayische Wetter sehr unberechenbar ist, haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben den Wasserfall doch noch unter Sonnenschein zu sehen. Der Regen dauerte aber leider an und machte den „Weg“, den wir eigentlich befahren wollten (wie gesagt Salto Cristal liegt mega in der Pampa), unpassierbar. Also mussten wir einen Umweg von bestimmt 50 km fahren und einen anderen Weg probieren
Natürlich blieb unser Bus dann im roten, vom Regen durchnässten, Schlamm stecken – also hieß es: Aussteigen, den Weg mit vom Wegesrand abgebrochenem Zuckerrohr ebnen und Anschieben!


So kämpften wir bestimmt ne halbe Stunde, um den Bus zu befreien – glücklicherweise mit Erfolg! Sonst wären wir wohl selbst verloren in der Pampa gewesen – denn außer uns war da wirklich NICHTS! Dann kamen wir tatsächlich ohne weitere Schwierigkeiten bei dem „Parkplatz“ an – nach insgesamt sieben (!!!) Stunden Fahrt! Dort sollten wir pro Kopf noch 10 Mil Guaranies (~1,80€) „Eintritt“ zahlen – eigentlich reine Abzocke, aber das war uns dann auch schon egal. Angeblich sollten wir uns nur noch 700 m entfernt befinden (Ihr riecht schon den Braten, dass da auch wieder was im Busch war). Die ersten 500 m konnten wir auf einem Weg, ich möchte fast sagen, einer Straße, zurücklegen - aber das wär eher übertrieben. Dann ging´s auf einem Pfad weiter, der auf einmal steil (und ich mein damit seeehr steil) hinabging! Seht selbst:


Ich Fuchs hatte damit leider nicht gerechnet und musste diese „Schlucht“ barfuß hinunterklettern, da Flip Flops mir nur noch weniger halt gegeben hätten. Da ich ja barfuß-erprobt bin, klappte das auch ganz gut. Unten angekommen, hieß es dann: noch ca. 100 m ein Flüsschen hochwaten (knietiefes Wasser)...
Und schließlich waren wir schon (endlich endlich) da! Ein (geschätzt bestimmt) über 30 m hoher Wasserfall war die Belohnung für den Stress – wunderbar unberührt. Der Anblick war wirklich (trotz leider fehlendem Sonnenschein) beeindruckend schön!! Das erste Mal in Paraguay "richtig" (also nicht in irgendeinem Pool) schwimmen! Alle Anstrengungen, dieses Ziel zu erreichen, waren sofort wie weggeblasen - so beeindruckt waren wir!


Nach unendlich vielen Fotos und vielen vielen Sprüngen der Anderen (ihr seht´s ein wenig im Hintergrund), machten wir uns nach ca. 2 Stunden auf den Rückweg zum Bus. Die „Schlucht“ wieder hoch zu klettern war glücklicherweise um einiges einfacher als runter, trotzdem zitterten meine Knie zeitweise und an einigen Punkten musste ich meinen Körper auch wirklich zwingen, meinem Kopf zu gehorchen, denn ich war echt erschöpft! Gegen 18 h traten wir dann die Rückreise an – klar, dass wir´s also niemals bis 19 h zurück zum AFS-Büro geschafft hätten.


Wir genossen den Sonnenuntergang aus dem Bus heraus und machten uns dann erst anschließend Sorgen, wie wir im Dunkeln (sicher) nach Hause kommen sollten. Ich hatte großes Glück, dass es für meinen Gast-Vater keine Frage war, mich um 22:30h (!!!) wieder abzuholen! Dafür war ich sehr sehr dankbar! Todmüde fiel ich nach diesem ereignisreichen Tag ins Bett. Was für ein Abenteuer! Hat sich aber in jeder Hinsicht gelohnt, auch wenn ich an den beiden darauffolgenden Tagen mit hartem Muskelkater zu kämpfen hatte! J